ZFF 2021

Boiling Point

Es ist ein sehr eindrücklicher Dokumentarfilm über die Gastrokultur im Bereich des Haut Cuisine Restaurants. Philip Barantini zeigt gekonnt die Hektik und den Alltag vor und hinter der Restaurant Szene. Wie alle Mitarbeiter mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben, wie sie alle persönlich damit umgehen. Ein 90min. Werk über eine Realität, welche für die zahlende Gäste im Restaurant verborgen beibt.

Q&A:
Vieles ist biografisch aus dem Leben des Regisseurs. Philip Barantini hat einige Jahre im londoner Gastrobereich gearbeitet und die Atmosphäre im Film umsetzen können. Die Schauspieler mussten viel improvisieren, da sich der Regisseur auf einen One Take Film entschieden hat.
Man sich hat in Dialogen ausgeholfen, versteckt mit Zeichen auf den Einsatz aufmerksam gemacht. Das Team hat auf der Bühne einen sehr entspannten Eindruck gemacht und immer wieder betont, wie aufschlussreich und Spass sie auf dem Set hatten.


Ballad of a White Cow / Ghasideyeh gave sefid

Ein eindrücklicher Film über den Kampf einer Frau, deren Ehemann unschuldig verurteilt und hingerichtet wurde, gegen den Justizapparat, die Bürokratie und das iranische Wertesystem. Das Gericht stellt ihr zwar eine finanzielle Entschädigung in Aussicht, doch will sich partout nicht für den Justizirrtum entschuldigen. Getragen von der brillianten Schauspielerin Maryam Moghaddam als Mina, erhält man einen tiefen Einblick in das ohnmächtige Leben einer nun alleinstehenden Frau mit gehörlosem Kind. Jeder Tag ist ein Kampf, denn iranische Frauen können kein unabhängiges Leben führen, da in verschiedensten, alltäglichen Situationen eine männliche Begleitung und Aufsicht benötigt wird. Mina, einsam aber doch willensstark, bleibt ihren Grundsätzen treu und gibt nie auf. Ein fesselnder Streifen, bei dem man hilflos mit Mina mitleidet, mit einem Ende, das Raum für Diskussionen lässt.


Das nachfolgende Q&A am ZFF mit den beiden Regisseuren, Behtash Sanaeeha sowie Maryam Moghaddam, letztere ist gleichzeitig auch Hauptdarstellerin im Film, eröffnete einem einen faszinierenden und auch humorvollen Einblick in das Filme machen in Iran, welches ebenfalls einer endlosen Bürokratie unterworfen ist. Es dauerte nur schon vier Jahre, um eine Dreherlaubnis von den iranischen Behörden zu erhalten. Dies sei die einfachere Hürde aber noch nicht alles: Um den Film dann effektiv im Kino zeigen zu können, wird eine weitere Lizenz benötigt, welche von einem anderen Amt ausgestellt wird….oder vielleicht auch nicht! Für das ZFF war die Lizenz eigentlich noch ausstehend.
Die weisse Kuh im Filmtitel hat eine doppelte Bedeutung: einerseits steht sie in vielen Religionen ein Opfertier dar – im Film Mina’s zu Unrecht hingerichteten Ehemann. Auf der anderen Seite wird die zweite Sure im Koran, aus welcher sich viele islamische Gesetze und Gebote ableiten, auch die Kuh genannt.