Filmreviews 2024

All Shall Be Well

All Shall Be Well

„All Shall Be Well“ ist eine Geschichte über die Folgen des plötzlichen Todes einer Partnerin in einer langjährigen festen Beziehung, ohne dass ein Testament hinterlassen wurde. Plötzlich tauchen viele unvorhersehbare Probleme auf. Der Film beleuchtet diese Themen aus der Perspektive einer lesbischen Beziehung, rückt speziell diese Situation in den Fokus und macht zugleich die Rechte der LGBTQ-Gemeinschaft im heutigen Hongkong deutlich. Gleichgeschlechtliche Ehen und eingetragene Partnerschaften werden in immer mehr Ländern anerkannt und legalisiert. Daher ist es umso wichtiger, dass Hongkong als internationale Stadt einen Film hat, der sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Der Film befasst sich mit der brisanten Frage der Rechte von Hinterbliebenen bei gleichgeschlechtlichen Paaren und stellt die Frage nach der Bedeutung des Begriffs „Familie“ im modernen Kontext. Haben Blutsverwandte automatisch mehr Rechte als eine Lebenspartnerin?

All Shall Be Well ist ein chinesischer Spielfilm von Ray Yeung (Vorsitzender des Hongkong Lesbian and Gay Film Festivals) aus dem Jahr 2024. Der gesamte Film wurde ohne Musik gedreht, um die Emotionen nicht zu verklären. Die Rechnung geht auf und meiner Meinung nach ist der Film unheimlich raffiniert aufgebaut, mit einer sehr feinen Erzählweise. Auch der Filmschnitt ist erwähnenswert und erinnert an Wong Kar Wai Filme. Der Titel entstand, nachdem der Regisseur für die Recherche die Personen in seiner Umgebung zu Nachlassfragen befragte und mehrfach als Antwort erhielt: „Ach, alles kommt gut!“ und so beendete er das Thema.

Besetzung: Patra Au, Lin-Lin Li, Tai Bo, Fish Liew, So-Ying Hui, Rachel Leun

Regie: Ray Yeung

Anora

Anora

„Anora“ von Sean Baker hat mich wirklich überrascht. Als Fan von Bakers Fähigkeit, das Leben am Rand der Gesellschaft in all seinen Facetten einzufangen, war ich sofort in der Geschichte von Anora gefangen. Die Protagonistin, gespielt von jungen, talentierten Schauspielerin Mikey Madison (die am ZFF persönlich anwesend war), geht ihren Weg mit einer Mischung aus Kraft und Zerbrechlichkeit, die mich immer wieder nachdenklich gemacht hat. Ihre Reise – zwischen Selbstfindung, Herausforderungen und den Erwartungen der Gesellschaft – fühlt sich so real und ehrlich an.

Was mir besonders gefallen hat, war, wie der Film trotz der ernsten Themen eine wunderbare Leichtigkeit und Humor mitbringt. Es gibt diese kleinen, unerwarteten Momente des Humors, die die ganze Geschichte auflockern und den Charakteren Leben einhauchen. Besonders Anora hat diese Art von Humor, die gleichzeitig scharf und charmant ist – sie nimmt sich selbst nie zu ernst, was mich oft zum Schmunzeln gebracht hat. Es ist diese Mischung aus Tragik und Komik, die den Film so zugänglich macht und mir geholfen hat, mich emotional mit den Charakteren zu verbinden.

Visuell ist „Anora“ ein Genuss – Bakers Gespür für Details und Atmosphäre ist einfach unvergleichlich. Die Kameraführung fängt die Intimität der Szenen auf eine Weise ein, die einen das Gefühl gibt, hautnah dabei zu sein. Der Film geht über die Oberflächengeschichte hinaus und lässt einem die ganze menschliche Komplexität spüren. „Anora“ ist ein Film, der mich zum Lachen und zum Nachdenken gebracht hat. Er bleibt einem im Gedächtnis, weil er auf so viele Weisen berührt – menschlich, humorvoll und tiefgründig. Ein wahres Meisterwerk.

Besetzung: Mikey Madison, Mark Eydelshteyn, Yura Borisov, Karren Karagulian, Vache Tovmasyan, Aleksei Serebryakov

Regie: Sean Baker

Apocalipse Nos Tropicos

Apocalipse Nos Tropicos

„Apocalypse in the Tropics“ ist ein faszinierender, aber auch beunruhigender Dokumentarfilm, der mich wirklich zum Nachdenken gebracht hat. Der Film zeigt, wie der evangelikale Einfluss in Brasilien in den letzten Jahren rasant gewachsen ist (von 5 auf 30 Prozent) und wie dieser eine zentrale Rolle in der politischen Entwicklung des Landes spielt. Besonders beeindruckend ist, wie geschickt religiöse Führer den Glauben mit der Politik verknüpfen, um eine kulturelle Agenda voranzutreiben, die Themen wie Abtreibung und Homosexualität umfasst – Themen, die tief in die gesellschaftlichen Konflikte des Landes eingreifen.

Was den Film für mich besonders eindrucksvoll machte, war die Art und Weise, wie er die Entwicklung rund um Präsident Jair Bolsonaro beleuchtet. Man bekommt einen tiefen Einblick in die Verstrickung zwischen Megakirchen und der politischen Macht, die den Kurs der brasilianischen Demokratie stark beeinflusst hat. Der Film zeigt auf, wie der Glaube nicht nur eine private Angelegenheit ist, sondern wie er in diesem Fall als politisches Werkzeug genutzt wird, was oft erschreckende Konsequenzen für die Gesellschaft hat.

Besetzung: Silas Malafaia, Elizete Malafaia, Jair Bolsonaro, Luiz Inácio, Lula da Silva, Petra Costa

Regie: Petra Costa

A Real Pain

A Real Pain

Die ungleichen Cousins David (Jesse Eisenberg) und Benji (Kieran Culkin) finden sich für eine Tour durch Polen zusammen, um ihre geliebte Grossmutter zu ehren und mehr über das Leben ihrer kürzlich verstorbenen Grossmutter zu erfahren. Die kleine Gruppe internationaler Reisende gehen gemeinsam auf einen Roadtrip, wobei sie mit der Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert werden und ihre Beziehung zueinander sowie ihre Familiengeschichte hinterfragen. Die Erinnerungen und unverarbeiteten Emotionen der beiden Männer führen zu Spannungen und Konflikten.

Jesse Eisenberg bringt als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller eine beeindruckende Authentizität in sein Drehbuch ein. So richtig findet sich „A Real Pain“ erst, wenn die Grenzen zwischen Film und Inspirationsquelle völlig verschwimmen: David und Benji besuchen das Haus, in dem einst die reale Großmutter des Autors lebte, was Eisenberg enorm beeinflusste und einer der Gründe dafür war, dass er diesen Film überhaupt gedreht hat und auf seine persönlichen Erfahrungen basiert. Schauspielerisch gesehen habe ich das Gefühl, dass Jesse und Kieran einfach sich selbst spielen mussten. Ein lustiger Film, kurzweilig und hat eine gute Länge. Empfehlenswert.

Besetzung: Jesse Eisenberg, Kieran Culkin, Will Sharpe, Jennifer Grey, Kurt Egyiawan, Liza Sadovy, Daniel Oreskes

Regie: Jesse Eisenberg

Baby Girl

Babygirl

«Babygirl» handelt von der erfolgreichen Geschäftsführerin Romy, die sich auf eine unerlaubte Affäre mit einem viel jüngeren Praktikanten namens Samuel einlässt – und damit ihre Karriere und Familie aufs Spiel setzt. Der neue Film des niederländischen Regisseurs ist ein erotischer Thriller, in dem es wieder darum geht, dass junge Menschen anders verdrahtet sind und wissen, was sie wollen und wie sie es bekommen, aber vielleicht auch, was der Rest von uns will. Das ist jedoch eher eine freche Randnotiz in der Geschichte einer Frau mittleren Alters – gespielt von Nicole Kidman mit physischer und psychischer Unerschrockenheit – die Befreiung findet, indem sie sich ihren unterdrückten Wünschen hingibt.

Es ist die Art von Film, bei der man nicht anders kann, als sich durch die zu vielen Sexszenen zu quälen und den armen Banderas zu bemitleiden, der mehr ungenutzten Sexappeal hat als Nicole Kidman, welche in ihrer Rolle nicht überzeugt. «Babygir»l wirkt unvollständig, überambitioniert und ist reine Zeitverschwendung. 

Besetzung: Nicole Kidman, Harris Dickinson, Antonio Banderas, Sophie Wilde, Esther McGregor, Victor Slezak, Anoop Desai, Maxwell Whittington-Cooper, Izabel Mar

Regie: Halina Reijn

Bird

Bird

In prekären Familienverhältnissen und einer schlechten Umgebung wächst die 12-jährige Bailey (Nykiya Adams) auf. Seit sie erfahren hat, dass ihr Vater heiraten will, ist Bailey wütend auf alles und jeden. Ihr Vater Bug (Barry Keoghan) ist mal liebevoll umsorgend, mal jähzornig oder gereizt. In ein paar Tagen will er heiraten, eine Frau, die er erst seit drei Monaten kennt und die eine kleine Tochter mit in die Ehe bringt. Einen Halbbruder namens Hunter (Jason Buda) hat Bailey bereits, dazu drei Halbgeschwister, die ihre Mutter aufzieht. Wirklich behütet wächst keins der vielen Kinder auf, zumal die Eltern eher an Alkohol und Drogen interessiert sind. Eines Tages taucht ein seltsamer Kerl auf, der sich Bird (Franz Rogowski) nennt und nach seinem Vater sucht. Eine spezielle Verbindung zwischen ihm und den Kindern entsteht, in der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie zunehmend verwischen…

Der Film bewegt sich zwischen Realismus und Traum. Befinden wir uns in der Realität oder flüchten wir uns in einen selbstentworfenen Traumwelt? Anstatt sich auf den Alltag zu konzentrieren, hat Bird immer wieder etwas Märchenhaftes. Das gilt vor allem für den zweiten Teil. Franz Rogowski (Passages) bringt durch sein unverwechselbares Spiel früh eine Entrücktheit in den Film. Man weiss hier nie so genau, ob das jetzt wirklich stattfindet oder doch nur Teil einer Traumwelt ist, mit dem das Mädchen aus der Realität ausbricht.
Aber auch der Rest des Ensembles überzeugt. Ein sehr erfrischend anderer Film!.

Besetzung: Nykiya Adams, Jason Buda, Barry Keoghan, Franz Rogowski, James Nelson-Joyce, Rhys Yates, Joanne Matthews, Jasmine Jobson, Frankie Box

Regie: Andrea Arnold

Black Box Diaries

Black Box Diaries

Eine Vergewaltigung hat das Leben von Shiori Itō innerhalb einer Nacht schlagartig verändert. In ihrem investigativen Dokumentarfilm hält die japanische Journalistin ihre Geschichte fest. Itō war zu dem Zeitpunkt noch jung, aber keineswegs naiv, denn sie ahnte bereits, dass dies ein Kampf werden würde, der mit sehr vielen Rückschlägen und Hürden versehen sein würde. Sie war 25, als die ersten Nachforschungen und Befragungen zu dem Fall durchgeführt wurden, und sie war 33 Jahre alt, als sie einen ersten Schlussstrich unter die Erfahrungen ziehen konnte, selbst wenn die emotionale Verarbeitung noch lange andauern wird.

Dieser Film ist eine Eigentherapie für Itō, zumal sie ihre Geschichte aus den Augen einer Reporterin wiedergeben möchte, was ihr nicht immer gelingt. Andererseits kann man ihr dies nicht verübeln, denn trotz genügend professionellem Abstand durchlebt sie die Ereignisse wieder und wieder. Zwar ist es noch ein langer Weg zur Heilung (wenn dies überhaupt möglich ist), aber es ist wenigstens einen Anfang. Sehr speziell ist die Erzählstil, denn bisher wird die Geschichte einer Vergewaltigung in der dritten Person erzählt. Shiori versucht mit ihrem Dokumentarfilm junge Leute anzusprechen. Vergewaltigung und Missbrauch werden in den japanischen Medien selten oder gar nicht besprochen. Dieser Film wurde in Japan verboten. Shaori tourt als Journalistin auf der ganzen Welt. Sehr deftiger und bedrückender Dokumentarfilm. Kein «vor dem zu Bett gehen» – Film.

Regie: Shiori Itō

A Brief History Of A Family

Brief History Of A Family

Das Schicksal einer wohlsituierten chinesischen Familie verstrickt sich auf mysteriöse Weise mit einem rätselhaften neuen Freund des einzigen Sohnes, Wei. Unterdrückte Gefühle, enttäuschte Erwartungen und Geheimnisse kommen ans Licht. Es dauert nicht lange, bis die Eltern von seinem Charme und seiner Intelligenz hin und weg sind. Sobald sie in Erfahrung bringen, dass Shou von seinem Vater häusliche Gewalt erlebt, ermutigen sie Wei, ihn öfter einzuladen. Als Shuo sich immer tiefer in Wei’s Familie hineinwindet und zum inoffiziellen neuen Mitglied des Haushalts wird, zeigen sich die Risse im Fundament. Die Freundschaft verwandelt sich in einen explosionsgefährdeten Dampfkochtopf. Wie wichtig ist der Stellenwert des Blutes innerhalb der Familie?

Der Film hat eine gutes Tempo und eine angemessene Länge. Sehr spannend erzählt und da dies eine Co-Produktion mit Dänemark und Frankreich ist, musste Jianjie Lin Musik aus Dänemark und Frankreich einsetzen. Daraus ist eine untypische musikalische Untermalung geworden, die sich mal bei klassischen Komponenten bedient und ein andermal mit elektrischen, metallischen Schlägen im Rhythmus eine bedrückende Wucht hervorrufen. Die Musik trägt einen grosser Teil an der Spannung bei: Sie ist äusserst manipulativ und führend.

Beim Q&A wurde die Frage gestellt, welchen Sohn Jianjie bevorzuge, erklärt er, dass er beide Söhne mag und keinen Favorit hätte. Beide verkörpern verschiedene Welten. Ein herausragender Debüt-Film vom Jianjie Lin!

Besetzung: Zu Feng, Guo Keyu, Sun Xilun, Lin Muran

Regie: Lin Jianjie


Conclave

Conclave

Nachdem der Papst an einem Herzinfarkt gestorben ist, versammelt sich das Kardinalskollegium, um ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche zu wählen. Einer von ihnen ist Kardinal Lawrence, der als Dekan des Kardinalskollegiums das Konklave leitet. Währenddessen steht Schwester Agnes in diesen Tagen den Nonnen vor, die sich um den Haushalt kümmern. Alles wird für Lawrence komplizierter als der ihm unbekannte Bischof von Kabul Kardinal Benitez eintrifft, den der vorherige Papst heimlich zum Kardinal berufen hatte.

“Conclave“ ist ein Thriller von Edward Berger mit Ralph Fiennes, Stanley Tucci und John Lithgow, welche Kardinäle aus verschiedenen Ländern spielen, die in der Konklave zusammenkommen, um einen neuen Papst zu wählen. Der Film bietet interessante Einblicke in die Konklave und durch die ruhige Erzählperspektive, verleihen die seltenen Gefühlsausbrüchen dem Film eine einzigartigen Intensität.

Besetzung: Ralph Fiennes, Stanley Tucci, John Lithgow, Sergio Castellitto, Isabella Rossellini

Regie: Edward Berger


Der Spitzname

Der Spitzname

„Der Spitzname“ von Sönke Wortmann ist eine gelungene Weiterentwicklung der humorvollen, aber tiefgründigen Geschichten, die wir bereits aus den vorherigen Filmen „Der Vorname“ und „Der Nachname“ kennen. Wie in diesen Filmen, gelingt es Wortmann auch hier, alltägliche Konflikte und Missverständnisse auf eine unterhaltsame Weise zu erzählen, die zugleich zum Nachdenken anregt. Der Film greift die Dynamik einer Gruppe von Freunden auf, die sich durch ein scheinbar harmloses Wort aus ihrer Vergangenheit in ihren Identitäten und in ihrer Beziehung zueinander herausgefordert sehen.

Was mir besonders gefallen hat, ist der typische Wortmann-Humor, der die ernsten Themen nie schwerfällig macht. Stattdessen wird der Konflikt um den Spitznamen mit einer Leichtigkeit und Wortgewandtheit erzählt, die mich immer wieder zum Lachen gebracht hat, ohne den Blick auf die Tiefe der Charaktere und ihrer Beziehungen zu verlieren. Auch hier zeigt Wortmann, dass er ein Meister im Umgang mit Dialogen ist, die sowohl witzig als auch scharfzüngig sind.

Die Schauspielenden (viele waren persönlich am ZFF auf dem GreenCarpet) liefern einmal mehr starke Leistungen, und die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist ebenso spürbar wie in „Der Vorname“. Auch diesmal sind es die kleinen Reibereien und Missverständnisse, die die Charaktere menschlich und authentisch wirken lassen. Visuell hat der Film, wie auch seine Vorgänger, eine klare, unaufgeregte Ästhetik, die die Themen des Films subtil unterstützt.

„Der Spitzname“ ist ein gelungener Film, der in der gleichen Tradition wie „Der Vorname“ und „Der Nachname“ steht: humorvoll, klug und gleichzeitig bewegend. Ein absolut empfehlenswerter Film für alle, die die feinen Nuancen zwischen Freundschaft, Identität und Vergangenheit schätzen.

Besetzung: Iris Berben, Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters, Justus von Dohnányi, Janina Uhse, Kya-Celina Barucki, Jona Volkmann, Julia Rosa Peer, Elena Sancho Pereg, Mareike Fell, Walter Sachers

Regie: Sönke Wortmann


Don’t Let’s Go To The Dogs Tonight

Don’t Let’s Go To The Dogs Tonight

Dieser Film versetzt uns in die turbulente Welt der 8-jährigen Bobo, deren Kindheit sich auf der Farm ihrer Familie in Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, abspielt, während der Buschkrieg bis zu seinem bitteren Ende wütet. Vor diesem gewalttätigen Hintergrund erleben wir mit ihren Augen die verzweifelte Verbundenheit der Familie mit diesem Land und die tiefen Narben eines Krieges, der Land und Seele verändert.

Ein Debüt Film-Highlight von der Regisseurin Embeth Davidtz, die als Schauspielerin bekannt ist (u. a. “Schindlers Liste “) das Drehbuch schrieb und selber die Rolle von Fuller`s trauriger, alkoholkranker Mutter übernimmt. Besonders bemerkenswert ist ihre Co-Stars, Lexi Venter – gerade mal 7 Jahre alt – als der Film gedreht wurde. Es war ein kühnes Risiko, so viel Gewicht auf die Arbeit eines Kindes zu legen, aber wie sich herausstellt, hat sich Davidtz‘ Entscheidungen ausgezahlt. Die tolle Leistung von Lexi Venter ist hervorragend! Dies ist Embeth`s sehr persönliches Filmprojekt und zeigt den afrikanischen Bürgerkrieg aus der Sicht eines Kindes.

Besetzung: Lexi Venter, Embeth Davidtz, Zikhona Bali, Fumani Shilubana, Rob Van Vuuren, Anina Reed

Regie: Embeth Davidtz


En Fanfare

En Fanfare

Der gefeierte Dirigent Thibault hat Leukämie und braucht dringend eine Knochenmarkspende. Dabei erfährt er, dass er adoptiert ist und somit seine Schwester als Spenderin nicht in Frage kommt. Auf der Suche findet er seinen biologischen Bruder namens Jimmy. Anders als Thibault, arbeitet Jimmy in einer Fabrik und kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Auf den ersten Blick haben die Brüder nichts gemeinsam, bis die Musik ins Spiel kommt. Denn Jimmy spielt Posaune in einer Blaskapelle im Dorf und das nicht mal schlecht.

«En fanfare» ist ein schöner, intelligenter und herzerwärmender Film, der davon erzählt, wie Musik Menschen verbinden kann – egal auf welchem Niveau sie gespielt wird. Eine Sozialkomödie, die an Filme von Ken Loach erinnert. Kurzweilig und sehenswert.

Besetzung: Benjamin Lavernhe, Pierre Lottin, Sarah Suco, Jacques Bonnaffé, Clémence Massart-Weit, Anne Loiret, Mathilde Courcol-Rozès, Yvon Martin, Isabelle Zanotti, Nicolas Ducron

Regie: Emmanuel Courcol

Es geht um Luis

Es Geht Um Luis

Die beiden Enddreissiger Constanze und Jens Brandt haben einen sehr stressigen Alltag. Sie legt sich ins Zeug, um an ihrem aktuellen Arbeitsplatz als Architektin fest angestellt zu werden und möchte sich beim Chef profilieren, indem sie Überstunden macht. Jens arbeitet lange Nacht- und Wochenendschichten als Taxifahrer in Stuttgart. Die neue Konkurrenz EasyLane setzt ihn zusätzlich unter Druck. Sie sehen sich praktisch nur noch im Taxi, wenn Jens Constanze nach Hause fährt. Als ihr zehnjähriger Sohn Luis Probleme in der Schule bekommt, stehen sie im Konflikt zwischen der Erfüllung gesellschaftlicher Konventionen und dem Versuch, ihren Sohn zu schützen. Der Grund für das Mobbing ist der lilafarbene Lieblingsschulrucksack von Luis, auf dem ein grosses Glitzer-Einhorn prangt. Die Probleme mit Luis in der Schule häufen sich. Wie kommen die Eltern mit der Situation zurecht?

Lucia Chiarla hat sich als Drehort Stuttgart ausgewählt, weil die Stadt chaotisch, lärmig und nie zu Ruhe kommt. Ebenso erlaubt der Film dem Zuschauer keine Verschnaufpause. Man leidet mit jungen Eltern mit, denen an Geld und Zeit fehlt. Ihre Beziehung droht unter dem Druck des Alltags unterzugehen. Bei «Es geht um Luis» handelt sich um eine Verfilmung des Theaterstücks «El pequeño poni», was, meiner Meinung nach, sehr gelungen ist. Der Film ist kein Überflieger, jedoch sehenswert und tummelt sich im Mittelfeld.

Besetzung: Max Riemelt, Natalia Rudziewicz, Aziz Çapkurt, Ali Bulgan, Katja Preuss, Franziska Troegner, Willi Sellmann, Alex Junge

Regie: Lucia Chiarla

Flow

Flow

Eine schwarze, einzelgängerische Katze hat in einem unbewohnten Haus mitten in einem Wald Zuflucht gefunden. Eines Tages muss die Katze miterleben, wie eine reissende Flut mit verheerender Kraft durch den Wald fegt und ihren Unterschlupf zerstört, in dem alles menschliche Leben verschwunden zu sein scheint. Sie findet auf einem Boot Zuflucht. Auf diesem hat sich ein Capybara verkrochen, und eine Reihe weiterer Tiere kommen auf der Reise hinzu. Die Katze ist gezwungen mit den anderen Tieren (Golden Retriever, Lemur, Sekretärsvogel und das Wasserschein) trotz all ihrer Unterschiede zusammenzuarbeiten.

Flow ist ein Animations-Stummfilm von Gints Zilbalodis. (Macher von Away – Vom Finden des Glücks). Die Töne der Tiere wurde im Zoo aufgenommen. Für die Realisierung wurde die Töne der Tiere im Zoo aufgenommen und stundenlang Katzenvideos studiert. Die Machart und die Bilder haben mich persönlich nicht überzeugt. Die Tiere wurden zu sehr vermenschlicht. Nichtsdestotrotz kann man auch so das tierische Abenteuer in schillernden Farben geniessen. Für Kinder geeignet.

Regie: Gints Zilbalodis

Friedas Fall

Fridas Fall

„Friedas Fall“ von Maria Brendel erzählt die Geschichte von Frieda, einer Frau, die in einer Zeit lebt, in der das Leben für viele Frauen von gesellschaftlichen Normen und politischen Umwälzungen bestimmt wird. Besonders faszinierend fand ich, wie der Film die historische Kulisse geschickt nutzt, um Friedas persönliche Reise zu erzählen. Die 1930er-Jahre, eine Zeit zwischen den Weltkriegen, die in Deutschland von politischen Spannungen und der Entstehung des Nationalsozialismus geprägt war, wird dabei eindrucksvoll eingefangen.

Was mich wirklich beeindruckt hat, war die Art und Weise, wie der Film Friedas innere Konflikte und ihre Widerstandskraft zeigt. Trotz der Herausforderungen, denen sie sich gegenübersieht, zeigt sie eine bemerkenswerte Stärke und Entschlossenheit, sich nicht von den Zwängen der Gesellschaft unterdrücken zu lassen. Der Film setzt dabei auf eine subtile, aber eindrucksvolle Erzählweise, die uns nicht nur die äusseren Konflikte zeigt, sondern auch die inneren Kämpfe der Protagonistin.

Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend. Besonders die Darstellung von Frieda (Julia Bachmann) ist kraftvoll und authentisch. Auch die visuellen Elemente des Films, von den detaillierten Kostümen bis hin zu den stimmungsvollen Kulissen, tragen zur Atmosphäre der Zeit bei und machen die historische Dimension lebendig.

„Friedas Fall“ ist ein bemerkenswerter Film, der nicht nur unterhält, sondern auch wichtige Themen wie persönliche Freiheit und Widerstand behandelt. Es ist ein bedeutender Beitrag zur Erinnerung an eine schwierige Zeit und eine eindrucksvolle Darstellung von Mut und Selbstbestimmung.

Besetzung: Julia Buchmann, Stefan Merki, Rachel Braunschweig, Max Simonischek, Marlene Tanczik, Liliane Amuat

Regie: Maria Brendle

Good One

Good One

Die 17-jährige Sam (Lily Colias) begleitet ihren Vater Chris (James Le Gros) und dessen alten Kumpel Matt (Danny McCarthy) auf einen Wanderung in die Catskill-Mountains im US-Bundesstaat New York. Eigentlich wäre Sam lieber mit ihren Freunden unterwegs, aber sie möchte ihren Vater auch nicht enttäuschen. Noch viel weniger gut vorbereitet als sie ist Matt, der zwar viel zu viel eingepackt hat, dabei aber ausgerechnet die wichtigen Sachen, wie z.B. den Schlafsack, vergessen hat. Trotzdem gehen die drei freudig auf den Trip, mit dem Ziel, einfach mal abzuschalten und vom Alltag Abstand zu gewinnen. Das geht soweit auch alles gut, bis eine Aussprache die Atmosphäre zu kippen droht.

Die Geschichte handelt von der Bindung zwischen Tochter und Vater. Der Vater liebt das Wandern und denkt dabei nach, wie er seiner Tochter unterstützen kann. Es ist kurzweilig und lustig erzählt. Ein offener Schluss bleibt im Film und lässt die Problematik im Raum hängen. Der Film fängt unbekümmert an und trägt eine sehr fröhliche Stimmung mit sich. Das ändert sich aber gegen Ende des Films massiv. Lily Colias trägt mit ihrem mimischen Schauspiel sehr zur Dynamik und zum Ungesagten bei. Daraus wurde ein subtiler, feinfühliger Debütfilm von der Regisseurin India Donaldson.

Besetzung: Lily Collias, James Le Gros, Danny McCarthy

Regie: India Donaldsoni

Hagen

Hagen – Im Tal der Nibelungen

Der Burgunder Waffenmeister Hagen von Tronje hält mit Pflichtbewusstsein und eiserner Härte das von Krisen geschüttelte Königreich zusammen. Dabei unterdrückt er die heimliche Liebe zur Königstochter Kriemhild und verdrängt seine eigene dunkle Vergangenheit. Als der berühmte Drachentöter Siegfried von Xanten in Worms auftaucht und mit seiner Unberechenbarkeit die alten Strukturen gefährdet, kommt es zu einem Duell der Gegensätze. Hagen versucht den unerfahrenen König Gunter vor Fehlern zu bewahren, doch der sieht ausgerechnet in dem risikofreudigen Siegfried eine Chance, das Reich zu retten. Er soll ihm den Weg nach Isenland zeigen, wo Gunter um die Hand der gefährlichen Walküre Brunhild anhalten will. Auf dem Weg dorthin freunden sich Hagen und Siegfried an, was den tragischen Konflikt verschärft. Als sich Kriemhild in Siegfried verliebt, muss Hagen sich endgültig zwischen Liebe und Königstreue entscheiden

Wie aus dem Nibelungenlied bekannt, sind die einzelnen Figuren als Stellvertreter für gewisse Eigenschaften (Gunter als der Schwache, Kriemhild als die Sanfte, Brunhild als die Kriegerin, Siegfried als der Held). In der Inszenierung zeigen die Regisseure Boss und Stennert, dass sie dem Fantasy-Genre in allem gewachsen sind: Eine grossartige Ausstattung, atmosphärische Bilder, tolle Kostüme und das geschickte Spielen mit Spannungsmomenten.

Besetzung: Gijs Naber, Jannis Niewöhner, Dominic Marcus Singer, Lilja van der Zwaag, Rosalinde Mynster, Alessandro Schuster, Jördis Triebel, Jörg Hartmann

Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert

Happyend

Happyend

Yuta und Kou sind zwei unzertrennliche Highschool-Schüler, die seit ihrer Jugend befreundet sind. Die beiden wollen DJs werden und treiben zusammen mit ihren Freunden Tomu, Ming und Ata-chan ihr Unwesen. Kou, der ethnisch koreanischer Abstammung ist, politisiert sich gegen die rechtsextreme Regierung, die Erdbebenwarnungen nutzt, um Japan zu kontrollieren. Yuta möchte, dass alles so bleibt, wie es ist. Ihr Schulabschluss steht bald an und als letztes wollen sie dem Schuldirektor einen Streich spielen. Diese am Anfang noch harmlose Aktion zieht unerwartete Konsequenzen für die gesamte Schule. Weil die Schuldigen sich nicht zu bekennen geben, werden im ganzen Schulareal Überwachungskameras installiert. Ist ihr Freundschaftsband stark genug?

Das intelligente Drehbuch des Films wird durch die liebevolle Dialektik zwischen Kou und Yuta getragen. Der eine stoisch und der andere dümmlich, haben beide Angst, nach dem Schulabschluss einander zu verlieren. Die hervorragende schauspielerische Leistung der jungen Erstakteure macht den Film schlussendlich sehenswert. “Happyend “ zeigt eine liebenswerte Gruppe von Freunden mit einer prickelnden Chemie, in den nachdenklichen wie auch in den lebendigen Momenten.

Besetzung: Hayato Kurihara, Yukito Hidaka, Yuta Hayashi, Shina Peng, Arazi, Kilala Inori, Ayumu Nakajima, Masaru Yahagi, Pushim, Makiko Watanabe, Shirō Sano

Regie: Neo Sora

Heretic

Heretic

Heretic ist ein Spielfilm von Scott Beck und Bryan Woods (A Quiet Place). Der Horrorfilm, der auf einem Originaldrehbuch des Regie-Duos beruht, handelt von zwei jungen und noch unerfahrenen Missionarinnen (Schwester Barnes und Paxton), die auf interessierte Haushalte zugehen. Sie sind mit ihren Fahrrädern den Tag über unterwegs und arbeiten eine Liste von Haushalten ab, bei denen sie klopfen müssen, was nur mässig von Erfolg gekrönt ist. Daraufhin werden sie von einem älteren Mann zu einem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel in seinem labyrinthartigen Haus gezwungen.

Beeindruckendes Schauspiel von Sophie Thatcher, Chloe East und insbesondere Hugh Grant, der eine sehr interessante und für ihn ausgewöhnliche Rolle erhalten hat. Die Geschichte wird sehr spannend und mysteriös erzählt. Von Anfang an gelingt es, eine unbehagliche Atmosphäre zu erzeugen und zudem spannungsreiche Figuren zu zeichnen. Vielleicht schafft Hugh Grant aufs Alter hin, andere Rollen zu spielen als nur den romantischen und liebenswürdigen Held aus «Notting Hill». Bitte mehr davon!

Besetzung: Hugh Grant, Sophie Thatcher, Chloe East, Topher Grace

Regie: Scott Beck, Bryan Woods

Hiding Saddam Hussein

Hiding Saddam Hussein

Wie alle Diktatoren des Nahen Ostens, war auch Saddam Hussein eine rätselhafte Figur, deren Bestrebungen sowohl Anhänger als auch Feinde hatten. Halkawt Mustafa gelingt es, Licht auf diesen Mann zu bringen, wahrscheinlich mehr als je zuvor, indem er die Worte des heute 50-jährigen Alaa Namiq dokumentiert, der Saddam 235 Tage lang versteckt hielt. Halkawt Mustafa überredete Namiq, seine Geschichte zum ersten Mal in diesem Dokumentarfilm zu erzählen.

Diese Dokumentation bietet spezielle Einblicke aus einer komplett anderen Perspektive, wie es sie zuvor noch nie gegeben hat. Die Dreharbeiten dauerten zehn Jahre und waren notwendigerweise so geheim, dass nicht einmal das Filmteam wusste, worum es in dem Film wirklich ging. Der norwegische Filmregisseur Halkawt Mustafa ist im kurdischen Irak geboren und aufgewachsen, bis er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Norwegen flüchtete. Sehenswerte Dokumentation!

Regie: Halkawt Mustafa

Home Is The Ocean

Home Is The Ocean

Was, wenn man den Traum leben könnte, um die Welt zu segeln und dabei noch Gutes zu tun? Für eine achtköpfige Schweizer Familie ist dies zur Realität geworden. Vor zwanzig Jahren stachen die Eltern mit ihrem Segelschiff in See, um Feldforschung in den entlegensten Regionen der Welt zu betreiben und die nächste Generation für den Umweltschutz zu begeistern. Die Filmemacherin begleitete die Familie sieben Jahre lang und dokumentierte, wie die Schwörers konventionelle Normen von Erziehung, Bildung, Heimat und Sicherheit in Frage stellen. Bis ein Sturm sie zwingt, ihre Lebensentscheidungen und Familienkonstellation zu überdenken.

Eine sehr eindrückliche Dokumentation, welche aufzeigt, wie man mit der Natur lebt und auf engstem Raum zueinander schaut und hilft. Jeder hat seinen Platz, eine Aufgabe zugeteilt und alle sind miteinander verknüpft. Das Verantwortungsbewusstsein der Kinder ist aussergewöhnlich. Auch wird gezeigt, wie wichtig einen solche Reise eine genaue Planung erfordert. Tolles Debüt von Livia Vonaesch.

Besetzung: Livia Vonaesch

Joker

Joker

Die Geschichte erzählt wie Arthur Fleck in der psychiatrischen Anstalt Arkham auf den Prozess für seine Verbrechen als Joker wartet. Dabei begegnet er seiner wahren Liebe und findet auch zurück zur Musik. Der Film spielt fast ausschliesslich im Gefängnis und im Gerichtssaal. Bei einer der Gerichtsverhandlungen feuert Arthur seine Anwältin und verlangt sich selbst zu verteidigen. Den wohl spontanen Entschluss, seiner Anwältin zu kündigen, zeigt danach deutlich, dass Arthur und der Joker zwei voneinander gespaltene Persönlichkeiten sind. Arthur leidet sichtlich unter der Zeugenaussage. Als sein eigener Anwalt tritt Arthur nun im Joker-Anzug geschminkt auf und inszeniert sich vor Jury und Publikum, sodass er den verhandlungssicheren Richter immer wieder zu Ermahnungen provoziert.

Dies ist der zweite Teil von Joker und erinnert eher an einem Musical. Meiner Meinung nach liefert er, trotz gutem Soundtrack, zu wenig Comic und dafür zu viel Gesang, letzteres wohl durch das Engagement von Lady Gaga. Die Hauptrolle spielt erneut ein ausgemergelter Joaquin Phoenix und liefert zwar eine unglaublich starke Performance auf die Leinwand. Lady Gaga erblasst daneben. Leider hat mich dieser Film kein bisschen berührt, obwohl der Joker zu einer meiner Lieblingscharakter gehört. Schade. (klaustrophobisch)

Besetzung: Joaquin Phoenix, Lady Gaga, Brendan Gleeson, Catherine Keener, Zazie Beetz, Steve Coogan, Harry Lawtey, Leigh Gill

Regie: Todd Phillips

La Cocina

La Cocina

Mittagszeit, unzählige Gäste des florierenden Lokals werden von zahlreichen Angestellten, viele illegal davon eingewandert sind, bekocht und bedient. Einer von ihnen ist der junge Mexikaner Pedro (Raul Briones), ein Träumer und Unruhestifter. Er ist verliebt in die amerikanische Kellnerin Julia (Rooney Mara), die sich nicht auf eine Beziehung mit ihm einlassen kann. Als in der Kasse des Restaurants eines Tages ein grösserer Geldbetrag fehlt, ist Pedro schnell einer der Hauptverdächtigen, zumal er exakt die fehlende Summe bei sich trägt …

La Cocina ist ein Film über das Ankommen in der Fremde und über Träume von einer besseren Zukunft. In einem unermüdlichen Rhythmus taucht der Zuschauer in das Innenleben einer Gastroküche ein, welches von persönlichen Dramen, sozialen Spannungen, Solidarität und Zusammenhalt handelt.

Alonso Ruizpalacios liebt Theater, weshalb er das Theaterstück „La Cocina“ adaptierte. Er erzählte am Q&A am ZFF, dass er sogar eine skurrile Geschichte, die ihm am Weihnachtsabend passiert ist, eingebaut hat: Er wollte damals mit seiner Frau eine Filmausstellung besuchen und wartete dort in der Lobby, wo eine Cherry Coke Maschine überlief. Die ganze, klebrige Flüssigkeit ergoss sich auf den Teppich und niemand kam, um das Problem zu beheben. So sog sich der Teppich langsam voll, bis er und seine Frau knöcheltief in Cherry Coke standen! Darauf sagte er zu seiner Frau: «Ich hatte eine Eingebung: Ich werde irgendwann mit Rooney Mara zusammen einen Film machen und diese Szene einbauen.» Eine lustige Story, jedoch ist mir der Film zu lang, zu zähflüssig und für meinen Geschmack zu schrill mit eher nervigen Charakteren. Ich habe mir mehr vom mexikanischen Regisseur erhofft.

Besetzung: Raúl Briones, Rooney Mara, Anna Diaz, Motell Foster, Oded Fehr, Spenser Granese

Regie: Alonso Ruizpalacios


Lee

Lee

Als Fotomodell und Muse des Avantgarde-Fotografen Man Ray ist es Lee Miller (Kate Winslet) bald leid, Objekt ihrer männlichen Kollegen zu sein und konzentriert sich auf ihre eigene Arbeit als Fotografin. Mitten im Krieg geht sie als Fotoreporterin an die Front nach Frankreich und dokumentiert gemeinsam mit ihrem Kollegen David E. Scherman (Andy Samberg) über Monate die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Miller und Scherman sind Zeuge der Befreiung von Paris und sie schleichen sich in Hitlers verlassene Münchner Wohnung – wo das bekannteste und wichtigste Bild von Miller selbst entsteht: in der Badewanne des Führers. Sie gehören schliesslich auch zu den ersten Fotografen, die die Lager Buchenwald und Dachau betreten. Lees Bilder werden zu den stärksten Zeugnissen jener entsetzlichen Verbrechen und brennen sich in die Geschichte ein – aber lassen auch Miller selbst bis an ihr Lebensende nicht mehr los.

Zudem hat «Lee» das Problem, das fast alle Biografiefilme haben: Die Filmdauer ist begrenzt und man kratzt nur an der Spitze des Eisberges. Nichtsdestotrotz erhält man einen guten Einblick in das Geschehen und Kate Winslet spielt eine durchaus furchtlose Heldin, jedoch mit einer inneren Zerrissenheit. Nur stellt sich mir eine Frage: Kann sich Miller wirklich so stark von den Naziverbrechen, die sie in dieser schlimmen Zeit mitansehen musste, distanzieren? Von Waggon voller Leichen, dem Gestank? Mir hat der Film unbestritten gefallen, aber weil Kate Winslet die unerschrockene Heldin spielt, wirkt selbst der Krieg weniger bedrohlich als vielmehr wie die Bühne für ein Abenteuer auf dem Weg der Selbstverwirklichung.

Besetzung: Kate Winslet, Andy Samberg, Alexander Skarsgård, Marion Cotillard, Andrea Riseborough, Noémie Merlant, Josh O’Connor, James Murray

Regie: Ellen Kuras

Le Royaume

Le Royaume

Korsika, 1995. Lesia (Ghjuvanna Benedetti) erlebt ihren ersten Sommer als Teenager und möchte ihn mit ihrem Freund am Strand verbringen. Eines Tages taucht ein Mann auf und fährt sie auf einem Motorrad zu einer abgelegenen Villa inmitten der korsischen Macchia, wo sie ihren Vater (Saveriu Santucci) findet, der sich mit seinen Männern in einem Versteck befindet. In der Szene bricht ein Krieg aus und die Schlinge zieht sich immer enger um den vom Vater geführten Clan, der keine andere Wahl hat, als sich zu verschanzen. Im Mittelpunkt steht Lesia, die die Regeln und Traditionen der Gemeinschaft, in die sie hineingeboren wurde, kennenlernt und die Geheimnisse und unausgesprochenen Worte ihres Vaters durchschaut, der gegen alle Widerstände versucht, sie zu bewahren.

„Le Royaume“ ist der erste Spielfilm vom korsischen Regisseur Julien Colonna. Man kennt ihn bislang aus diversen Kurzfilmen. Der Drehort wurde seine Heimatstadt gewählt und es wurden ausschliesslich Laienschauspieler für diesen Film engagiert. Mit der schweigsamen Protagonistin macht Le Royaume den Zuschauer zum privilegierten Zeugen der Aktionen und Reaktionen innerhalb dieses korsischen Clans, der unter Hochspannung steht. Im Mittelpunkt steht Lesia, die die Regeln und Traditionen der Gemeinschaft, in die sie hineingeboren wurde, kennenlernt und die Geheimnisse und unausgesprochenen Worte ihres Vaters durchschaut, der gegen alle Widerstände versucht, sie zu bewahren. Hinter diesem Krimi, der nach vorne flüchtet, ist es diese Vater-Tochter-Beziehung, die zu Herzen geht. Sehr einfühlsam erzählt und spannend verpackt!

Besetzung: Ghjuvanna Benedetti, Saveriu Santucci, Anthony Morganti , Andrea Cossu, Frederic Poggi, Régis Gomez, Eric Ettori, Thomas Bronzini, Pascale Mariani

Regie :Julien Colonna

Les Courageux

Les Courageux

Eine alleinerziehende, straffällige Mutter (Ophelia Kolb) kämpft im Wallis verzweifelt um ihre finanzielle Existenz und versucht, ihren drei Kindern vorzugaukeln, dass alles in Ordnung ist. Um den Schein eines normalen Lebens zu wahren, gerät sie in eine Abwärtsspirale in die Kleinkriminalität und verliert somit das Vertrauen der Behörden.

Ein bewegender Film über versteckte Armut in einem der reichsten Länder, die oft erst beim genaueren Hinsehen sichtbar wird. Ein gelungenes, sehenswertes Stück von Jasmin Gordon. Kolb verfehlt ihre Wirkung als besorgte Mutter nie. Die Chemie zwischen den Kinderdarstellern als Geschwister ist überzeugend.

Besetzung: Ophelia Kolb, Jasmine Kalisz Saurer, Paul Besnier, Arthur Devaux, Sabine Timoteo, Michel Voïta, Claudia Groba

Regie: Jasmin Gordon

Linda

Linda

Die selbstbewusste wie geheimnisvolle Linda beginnt in einem wohlhabenden Haushalt in Buenos Aires als Hausmädchen zu arbeiten. Viel Erfahrung bringt sie jedoch nicht mit, aber sie übt sehr schnell mit ihrem Charme eine starke sexuelle Anziehungskraft auf die Familienmitglieder aus. Linda hat ihre eigene Vorstellung von Hausarbeiten und ihren eigenen Kopf, was die Fassade der glücklichen Familie zum Bröckeln bringt und löst ein verheerendes Gefühlschaos aus.

Der Film lebt von einer steigenden erotischen Spannung, viel Witz und bemerkenswerten Schauspielleistungen und feiert nicht zuletzt das perfekte Beherrschen der Verführungskunst. Mit einer Mischung aus Spannung, Erotik und Humor behandelt der Film Linda Themen wie Vorurteile, sozialer und geschlechtsspezifischer Ungleichheit, weiblichem Begehren und Patriarchat. Zum Schluss geht es um das perfekte Beherrschen des Verführungskunst. Doch schlussendlich ist in den 120 Minuten nichts passiert. Mir hat der Spannungsbogen gefehlt.

Besetzung: Eugenia China Suárez, Julieta Cardinali, Rafael Spregelburd, Minerva Casero, Felipe Otaño, Agustín Della Corte

Regie: Mariana Wainstein

Little Jaffna

Little Jaffna

Gegen Ende 2000 erreicht der über 25 Jahre andauernde Bürgerkrieg in Sri Lanka seinen Höhepunkt. Lawrence Valin spielt einen Polizisten, der eine kriminelle Organisation von Einwanderern aus Paris infiltrieren soll, die eine Befreiungsbewegung in Sri Lanka finanziert, und dabei sowohl seine Identität als auch seine Loyalität hinterfragt.

Die Geschichte ist vorhersehbar, wenn man die Nachrichten der letzten zehn Jahre verfolgt hat, was mit Michael, der Hauptfigur, passieren wird, wenn man die tamilische Diaspora in Frankreich und einen Teil von ihr kennt, der sich für bestimmte Anliegen in Sri Lanka einsetzt. Dennoch ist Little Jaffna ein Film, der einem mitreisst und mitfiebern lässt. Er zeigt, wie brutal und unerbittlich das Vorgehen der Tamil Tiger ist. Entweder lebt man für Organisation und geniesst als Mitglied mit vielen Vorteilen/Rückhalt oder man ist ein Gegner oder Flüchtiger, welcher erbarmungslos gejagt wird. Sehr spannend und eindrücklich gefilmt. .

Besetzung: Lawrence Valin, Puviraj Raveendra, Vela Ramamoorthy, Radikaa Sarathkumar, Marilou Aussilloux

Regie: Lawrence Valin

Maldoror

Maldoror

Der Fall Marc Dutroux hat nicht nur in Belgien für Aufsehen gesorgt. In den 1990er-Jahren entführte, missbrauchte und ermordete er mehrere Kinder und Jugendliche. Die Langwierigkeit und die Fehler bei der Ermittlung sowie der Verlauf des Prozesses sorgten für Misstrauen und ebenso für eine gesellschaftliche und politische Krise. Einzig ein junger Cop (Anthony Bajon) scheint Interesse zu haben, den Täter zu schnappen und macht sich alleine auf die Suche…

Der Filmtitel trägt den Namen der Spezialeinheit der Polizei „Maldoror“, welche sich wiederum auf „Die Gesänge des Maldoror“ des französischen Dichters Lautréamon bezieht. Der Regisseur Fabrice Du Welz zeigt ein tristes Belgien. Bilder aus Beton-Wüsten, alles wirkt runtergekommen und versifft. Viel Laufzeit wendet der Film darauf an, um uns aus Pauls Privatleben zu berichten. Dieser Teil ist zugegebenermassen ab und zu ein wenig langatmig. Mit 155 Minuten hat der Film eine beträchtliche Länge, kommt jedoch kurzweilig daher, denn es passiert immer wieder etwas Spannendes und zugleich auch Abstossendes.

Besetzung: Anthony Bajon, Alba Gaïa Bellugi, Alexis Manenti, Sergi López, Laurent Lucas, David Murgia

Regie: Fabrice Du Welz


Marching In The Dark

Marching In The Dark

Sanjivani, eine junge Frau aus einer ländlichen Gegend in Zentralindien, ist eine liebevolle, zärtliche Mutter. Nach dem Selbstmord ihres Ehemannes lebt sie bei ihrem Schwager, für den sie auf den Feldern arbeiten muss. Sie kämpft um gesehen und respektiert zu werden. Jedoch wird durch die traditionellen sozialen Stigmata und Dogmen erschwert, die in ihrer Gemeinde mit der Witwenschaft verbunden sind. Sie wendet sich an eine lokale Selbsthilfegruppe nur für Witwen. Aus dieser Gemeinschaft schöpft sie Kraft und teilt mit ihnen ihre Trauer.

Die Kamera verweilt bei den Personen, ist nicht zu nah, aber auch nicht zu weit weg. Sie lässt sie existieren und uns Raum um für sie sympathisieren, mit all ihrer Unbeholfenheit und Schwierigkeiten. Sanjivani bleibt der Mittelpunkt der Geschichte und zeigt auf, wie sie die Spuren der Zeit widerspiegelt, wie ihr Blick traurig in eine ungewisse Zukunft schweift. Wie ihr flüchtiges Grinsen auf der Leinwand erhellt. Für die Entstehung des Dokumentarfilmes hat es sieben Jahre gebraucht. Der Erfahrungsaustausch im Dorf hat ebenso dazu beigetragen.

Regie: Kinshuk Surjan

Memoir Of A Snail

Memoir Of A Snail

Grace Pudel ist eine einsame Aussenseiterin und liebt Bücher. Besonders gerne liest sie Liebesromane. Ausserdem mag sie Meerschweinchen und hat eine besondere Vorliebe für Schnecken. Sie und ihr Zwillingsbruder Gilbert leben bei ihrem querschnittsgelähmten Vater Percy. Der abgehalfterte Künstler ist nach dem Tod der Mutter dem Alkoholismus verfallen. Als ihr Vater einem Schlafapnoe erliegt, passiert das, was die Geschwister immer am meisten gefürchtet haben. Niemand will die Zwillinge zusammen adoptieren. Daher werden Grace und Gilbert vom Jugendamt getrennt. Sie werden in unterschiedlichen Pflegefamilien in verschiedenen Staaten untergebracht, Grace in einem Vorort von Canberra bei dem kinderlosen Paar Ian und Narelle. Sie verliert sich mehr und mehr in ihrer immer grösser werdenden Schneckensammlung. Gilbert hingegen, der von einer Familie religiöser Fanatiker adoptiert wurde, versinkt in Depressionen und Wut über seine Situation. Die beiden Kinder bleiben mittels Briefen miteinander in Kontakt und versprechen sich darin, so schnell wie möglich wieder zueinander zu finden.

Dieser Animationsfilm aus Australien gilt definitiv als mein Favorit aus dem ZFF 2024 Programm. Memoir of a Snail erzählt eine wunderschöne Geschichte, die schmerzt, traurig macht, aber auch Trost spendet. Man freut sich und leidet mit den Figuren zugleich! Hier wurde gänzlich auf CGI verzichtet und exklusiv auf das bewährte Stop-Motion gesetzt. Ebenso fehlen die Farbe grün und blau komplett, denn Adam Elliot hasst diese Farben, wie er im Q&A erzählt. Es gibt einige Referenzpunkte zu seiner Familie und auch zu seinem ersten Film. Zum Beispiel wurde Grace nach seiner Mutter benannt. Er selber verlieh seine Stimme Denise Floyd, wobei man auch Nick Cave`s Stimme in Bill Clarke (Pöstler) wiederfindet. Ich habe mich im Film und Geschichte verloren. Bei so viele Details (mehr als 200 Figuren sieht man bereits im Intro) kann man den Film bestimmt auch mehrmals schauen. Ein Film mit viel Herz, Hoffnung und Leidenschaft!

Tipp: Falls ihr den Erstling «Harvie Krumpet» von Adam Elliot noch nicht kennt, unbedingt nachholen!

Synchronsprecher: Eric Bana, Sarah Snook, Kodi Smit-McPhee,Dominique Pinon, Jacki Weaver, Nick Cave, Magda Szubanski, Adam Elliot, Bernie Clifford

Regie: Adam Elliot


Mistress Dispeller

Mistress Dispeller

Eine im Scheitern begriffene Ehe steht im Zentrum des Dokumentarfilms Mistress Dispeller. Eine betrogene Ehefrau versucht verzweifelt, ihre Beziehung zu retten, in dem sie ein Profi engagiert, der die Affäre beenden soll. Dabei werden alle drei Seiten der Dreiecksbeziehung aufgezeigt. In 94 Minuten sehen wir, wie Wang Zhenxi die Affären beendet und die Geliebte vertreibt.

Mistress Dispeller ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2024 von Elizabeth Lo. Ein toller Film über eine unbekannte Arbeitsnische. Speziell ist, dass für den Film kein Script gab. Es war nicht leicht, ein bereitwilliges Paar für den Film zu finden. Daraus ist ein interessanter Dokumentarfilm hinter der Fassade entstanden.

Regie: Elizabeth Lo

My Favorite Cake

My Favourite Cake

Im Mittelpunkt der Handlung steht eine alternde Frau, die es wagt, ihre Wünsche entgegen den Erwartungen der Gesellschaft zu leben. Die 70-jährige Mahin (Lily Farhadpour) ist seit 30 Jahren Witwe und lebt alleine in Teheran. Eine spontane Begegnung mit einem ebenfalls alleinstehenden Taxifahrer entwickelt sich für Mahin zu einem überraschenden, unvergesslichen Abend, an dem die beiden gegen so ziemlich alle Verbote der Sittenpolizei verstossen.

Es handelt sich hier um den dritten Spielfilm von Behtash Sanaeeha, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Maryam Moghaddam die Regie übernahm. Beide hatten zuvor das Drama „Ballade von der weissen Kuh“ (2021) gemeinsam inszeniert. Leider durfte das Regie-Duo durfte nicht aus dem Iran ausreisen, um am Festival teilzunehmen. Ein grossartiger Film, der zum Nachdenken anregt!

Besetzung: Lili Farhadpour, Esmaeel Mehrabi, Mohammad Heidari, Melika Pazouki

Regie: Maryam Moghadam, Behtash Sanaeeha

Obedience

Obedience

Der Stadtteil Hung Hom in Hongkong zieht während der Eröffnung der Schatzkammer Scharen von Anhängern an, die für Wohlstand beten. Auf der anderen Strassenseite befindet sich ein heruntergekommenes, jedoch lebendiges Armenviertel. Dort befinden sich Recyclingläden, illegale Flohmärkte und bescheidene Restaurants, welche vom Aussterben bedroht sind. Es sind Läden, die langsam aber sicher verschwinden. Es zeigt alte Leute, die in Mülltonnen nach wiederverwertbare Sachen suchen, Gegenstände herausfischen und auf ihre Schubkarren legen, um sie gegen Geld einzutauschen.

Wong Siu-Pong`s detaillierte Beobachtung führt uns auf die wenig bekannten Strassen von Hongkong und lässt uns einen neugierigen Blick auf ein kleines, verletzliches Kosmos erhaschen und zeigt eine Parallelwirtschaft auf, wie sie neben der glitzernden Finanzwelt Hongkongs existiert, jedoch selten wahrgenommen wird und man am liebsten wegschaut. Sehr eindrücklich und ohne Herablassung oder Sentimentalität wird über die Unterschicht in Hung Hom Stadtteil erzählt.

Regie: Siu-Pong Wong

On Becoming A Guinea Fowl

On Becoming A Guinea Fowl

Ihre Komödie handelt von Shula, die auf einer verlassenen Strasse auf den Leichnam ihres Onkels trifft. Als die Vorbereitungen für die Beerdigung anlaufen, bringen sie und ihre Cousins die dunklen Geheimnisse der Mittelstandsfamilie aus Sambia ans Licht, die ihre Tanten lieber gleich mit dem Onkel begraben hätten.

Mit feinem Gespür für kulturelle Eigenheiten erzählt die junge sambisch-walisische Filmemacherin Rungano Nyoni («I Am Not a Witch») eine surreale, dramatische Komödie voller Überraschungen über die Lügen, die wir uns selbst erzählen. Das spannungsreiche Nebeneinander von matriarchalen und patriarchalen Strukturen im heutigen Sambia verwebt die Filmemacherin zu einer mitreissenden Parabel. Es ist ein schwarzhumoriges Stück über den Umgang mit dem Tod und Generationenkonflikt. Ein skurriler und spezieller Film. Mir hat er leider nur mässig gefallen, weil er für mich zum Teil zu schräg war.

Besetzung: Susan Chardy, Elizabeth Chisela, Henry B.J. Phiri

Besetzung: Rungano Nyoni

On Falling

On Falling

Die Geschichte handelt von der portugiesischen Einwanderin Aurora, die in einem Logistikzentrum in Schottland arbeitet. Die Schritte der Arbeiter, das Quietschen eines metallenen Drehkreuzes, das Piepsen von Auroras Scanner bilden einen geregelten Rhythmus. Jeder Handgriff muss sitzen, denn Zeit ist Geld und daran wird man gnadenlos gemessen.

On Falling erzählt eine Geschichte über Einsamkeit, Entfremdung, eine Person in einem fremden Land und den Wunsch einen Vertrauten zu haben. Von Anfang bis zum Schluss verliert der Film kein bisschen an Traurigkeit und Schwere. Es ist drückend anzusehen, wie sich Aurora (Joana Santos) tapfer durch den Tag schlägt und wie sich die Eintönigkeit im Leben zeigt. Joana spielt hervorragend und trägt wesentlich zu der Atmosphäre bei.

Besetzung: Joana Santos, Neil Leiper, Ola Forman, Ross Ian-Martin, Inês Vaz, Helen Robinson, Robert Rutonic, Daniel McGuire

Regie: Laura Carreira

Sabbath Queen

Sabbath Queen

Amichai Lau-Lavie entstammt der 38. Generationen orthodoxer Rabbiner, darunter die Oberrabbiner Israels. Er ist auch ein Dragqueen und Gründer von Lab/Shul: einer einladenden, künstlerischen, experimentellen Gemeinde. Die Frage „Was ist ein Jude?“ ist heutzutage ein so heisses Eisen wie nie zuvor, und der Film feuert die ohnehin schon hitzige Debatte noch weiter an und hinterfragt sie. Sabbath Queen zeigt die Fortschrittlichkeit von Lau-Lauvie`s Leben in New York, nachdem er aus Israel weggezogen ist, wo sein Bruder die Familientraditionen über Jahrzehnte aufrechterhält, die entscheidenden Perioden internationaler historischer Ereignisse wie die AIDS-Krise der 1990er Jahre und die Aufnahmen des israelisch-palästinensischen Konflikts von 2014 umfassen. Amichai hadert mit dieser überlieferten Loyalität zum Status quo und der inneren Moral, an die er fest glaubt – und will als Rabbiner dieses konservative Judentum von innen heraus aufbrechen.

Dieser Film ist eine Lebensgeschichte über Identität und stellt die Frage, wer man sein soll, wer man werden will und wofür man kämpfen will – vor allem als jüdischer Mensch im 21. Jahrhundert. Dieser Dokumentarfilm hat mich positiv überrascht. Spannend und interessant erzählt.

Regie: Sandi DuBowski

Sister Midnight

Sister Midnight

In der schwarzen Komödie kommt eine aus einer Kleinstadt stammende junge Frau nach Mumbai, wo sie verheiratet werden soll. So beginnt für Uma eine wilde, ungestüme Rebellion gegen ihren Ehemann und gegen das Patriarchat, das sie konstant in ihre Rolle als Ehefrau drängt. Als sich dann auch noch die übergriffigen Nachbarn in ihr neues Leben einmischen, muss sie irgendwie versuchen, ihre eigenen Impulse in den Griff zu bekommen.

Sister Midnight ist ein originelles, witziges und makabres Märchen, das sich auf eine rebellische Figur konzentriert. Die Protagonistin Uma beginnt in diesem „Gefängnis der Ehe“ schliesslich, sich selbst als Person zu finden und auszuleben. Im Film ist eine groteske Metapher der Rolle der Frau in Indien versteckt, die sich zurücknehmen muss und nur selten die Chance darauf hat, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Besetzung: Radhika Apte, Ashok Pathak, Chhaya Kadam, Smita Tambe

Regie: Karan Kandhari

Soy Nevenka

Soy Nevenka

Dieser erschütternder und gleichzeitig kraftvoller Dokumentarfilm von Iciar Bollain, der die wahre Geschichte von Nevenka Fernandez erzählt, die 2000 als erste Frau in Spanien öffentlich gegen ihren Chef, den damaligen Bürgermeister von Ponferrada, wegen sexueller Belästigung klagte. Der Film gibt uns einen tiefen Einblick in die Auswirkungen von Nevenkas mutigem Schritt und beleuchtet nicht nur die persönliche Tragödie, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Strukturen, die es ihr so schwer machten, gehört zu werden.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie der Film die psychologische und emotionale Belastung von Nevenka in den Vordergrund stellt. Der Weg, den sie gegangen ist, war von Anfang an voller Hürden. Der Film vermittelt eindrucksvoll, wie sie sowohl mit der persönlichen Demütigung als auch mit der öffentlichen Verurteilung zu kämpfen hatte. Ihre Entschlossenheit, gegen das System anzukämpfen, und der Preis, den sie dafür zahlte, machen diesen Film zu einer berührenden und wichtigen Auseinandersetzung mit Machtstrukturen und Missbrauch.

Die Interviews mit Nevenka und anderen Beteiligten machen die Geschichte noch greifbarer und lassen uns nicht nur die menschliche Seite dieser juristischen Auseinandersetzung sehen, sondern auch den Widerstand, dem sie sich gegenübersah. Es ist eine Geschichte, die weit über den individuellen Fall hinausgeht und wichtige Fragen zur Gleichberechtigung und zu sexueller Belästigung im Arbeitsumfeld aufwirft.

„Soy Nevenka“ ist ein kraftvolles und bewegendes filmisches Werk, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die wahre Geschichte von Nevenkas Kampf gegen sexuellen Missbrauch und die strukturelle Ungerechtigkeit regt zu tiefgehenden Überlegungen an. Der Film verdeutlicht, wie wichtig es ist, gegen Machtmissbrauch und für Gleichberechtigung einzutreten – Themen, die auch heute noch von großer Relevanz sind. Dieser Film ist nicht nur eine Erinnerung an den Mut einer einzelnen Frau, sondern auch ein Appell, weiter für Gerechtigkeit und Veränderung zu kämpfen. Absolut sehenswert und aufrüttelnd.

Besetzung: Mireia Oriol, Ricardo Gómez, Carlos Serrano, Urko Olazabal, Miguel Garcés, Lucía Veiga

Regie: Icíar Bollaín

Stealing Giants

Stealing Giants

Der Tieraktivist und Filmemacher Karl Ammann dokumentiert seit Jahrzehnten den illegalen Wildtierhandel. Dieser Film zeigt auf, wie der Elefantenhandel von Laos nach China vollzogen wird, enthüllt schockierende Details aus dem vorherrschenden Korruption.

Der Film wirft einen schonungslosen Blick in die Welt des Tierschmuggels, in der es sogar möglich ist, im grossen Stil mit lebenden Elefanten zu handeln. Es ist deprimierend zu sehen, wie die stolzen Tiere in chinesischen Freizeitparks zur Belustigung und Unterhaltung der Menschen Fussball, Dart oder Xylophon spielen müssen. Hinter all dem dominiert – wie an vielen Orten – die Geldgier und Profit. Da schrecken die Menschen nicht vor Misshandlungen zurück. Vielfach werden die Tiere bereits als Babys mit Gewalt ihren Willen gebrochen. Am Ende wird der Zuschauer mit einer anderen Sichtweise auf die Mensch-Tier-Beziehung aus dem Kinosaal gehen.

Regie: Karl Ammann, Laurin Merz

Tata

Tata

Lina Vdovîis Vater bittet seine Tochter um Hilfe. Er, der seine Töchter und Ehefrau früher schlug, wird nun von seinem italienischen Arbeitgeber selbst missbraucht. Gemeinsam mit ihrem Mann begibt sich Lina auf die Reise in den Süden, obwohl sie damals Moldawien verlassen hat, um ihrem misshandelnden Vater zu entkommen. Die junge Journalistin kehrt zurück und stellt ihren Vater zur Rede. Sie tritt mutig eine Reise in ihre Vergangenheit an.

Es ist eine eindrückliche und persönliche Dokumentation von Lina Vdovîi geworden. Der Film zeigt auf, wie Verhaltensmuster wie emotionaler Zwang oder häusliche Gewalt oft von Generation zu Generation weitergegeben werden. Eine gelungene Dokumentation über die eigene Vater-Tochter-Beziehung.

Regie: Lina Vdovîi, Radu Ciorniciuc

The Apprentice

The Apprentice

NY 1973, Donald Trump möchte endlich aus dem Schatten seines Vaters treten und ist gerade erst Mitglied im exklusiven Restaurant und Nachtclub „Le Club“ in der East 55th Street geworden. Der 27-jährige Playboy ist der Vice President der Immobilienfirma seines Vaters Fred und versucht im Club Kontakte zur High Society zu schliessen. Sein Interesse gilt Roy Cohn, einem Anwalt des Komitees für unamerikanische Umtriebe. Mit der Unterstützung des berühmt-berüchtigten Anwalts Roy Cohn gelingt es ihm, ins Immobiliengeschäft in Manhattan einzusteigen und sich durch geschickte Manöver von Cohn als Immobilienmagnat an die Spitze zu setzen. Cohn ist es auch, der Trump schliesslich beibringt, wie man durch Täuschung, Einschüchterung und Medienmanipulation zu Reichtum und Macht gelangt.

The Apprentice ist eine Analyse des Charakters, der die Ursprünge von Trumps Narzissmus aufzeigt, über den Aufstieg von Trump. Dabei hat Sebastian Stan sich viel Zeit und Mühe in der Mimikstudie genommen. Denn das Resultat kann sich zeigen lassen. Ein kurzweiliger, tragischer, aber guter Film über ein – leider wieder – sehr aktuelles Thema.

Besetzung: Sebastian Stan, Jeremy Strong, Maria Bakalova, Martin Donovan

Regie: Ali Abbasi

The Last Show Girl

The Last Showgirl

Gia Coppola gelingt mit ihrem Film „The Last Showgirl“ eine eindrucksvolle Erkundung der Welt des Showbusiness und der persönlichen Suche nach Identität. Die Geschichte folgt einer alternder Frau, die sich in der glänzenden, aber oft trügerischen Unterhaltungsbranche behaupten muss. Die Protagonistin, die nicht mehr in der Blüte ihrer Jugend ist, kämpft mit den Herausforderungen des Alterns in einer Branche, die oft nur die junge Schönheit schätzt. Das Casino, in dem sie aufgetreten ist, schliesst und gerät ihre ganze Welt ins Wanken . Ihr Versuch, einen neuen Platz zu finden und dabei ihre Identität zu bewahren, wird mit viel Feingefühl und Emotionen erzählt.

Das Showgirl, brillant gespielt von Pamela Anderson (!), bringt ihre Rolle mit einer faszinierenden Mischung aus Entschlossenheit und Zerbrechlichkeit zum Leben. Die innere Zerrissenheit der Figur wird so real und nahbar dargestellt, dass man sich sofort mit ihr verbunden fühlt. Es ist eine Geschichte über die Herausforderung, Träume zu verfolgen und dabei nicht die eigene Identität zu verlieren.

Die Atmosphäre des Films ist ebenso beeindruckend wie die Charakterentwicklung. Coppola versteht es, eine nostalgische, fast träumerische Stimmung zu schaffen, die perfekt zu den Themen von Ruhm und Selbstfindung passt. Die visuelle Gestaltung und der Einsatz von Farben verstärken die emotionale Wirkung der Szenen und lassen einen tief in die Geschichte eintauchen.

„The Last Showgirl“ ist ein überraschend guter Film, der die Schattenseiten des Glamours beleuchtet, aber gleichzeitig eine starke Botschaft über Selbstbestimmung und den Wert von Authentizität sendet.

Besetzung: Pamela Anderson, Jamie Lee Curtis, Billie Lourd, Dave Bautista, Brenda Song, Kiernan Shipka

Regie: Gia Coppola

The Order

The Order

Der in den 1970er-Jahren erstmals publizierte Roman „Die Turner-Tagebücher“ gilt für viele Nazis und Antisemiten als Blaupause für eine Revolution der weissen Rasse. Bob Mathews gilt als der erste, der den literarischen Aufruf zu einem Krieg gegen alle Nicht-Weissen in die Tat umsetzen wollte. Seine Organisation nannte er „The Order“, wie eine entsprechende Gruppierung auch im Buch heisst und sein Plan war es, genau den sechs Kapiteln des Buches von Kapitalbeschaffung über Mitglieder-Rekrutierung bis hin zu Exekutionen und schliesslich dem Systemumsturz zu folgen. Nach langen Jahren im Kampf gegen das organisierte Verbrechen bezieht der ausgebrannte FBI-Agent Terry Husk (Jude Law) eine neue Stelle in einem Ein-Mann-Büro in einer auf den ersten Blick verschlafenen Kleinstadt in Idaho. In der Nähe hat die rechtsradikale Aryan Nations von Hassprediger Richard Butler (Victor Slezak) ihren Hauptsitz. Bei den lokalen Behörden verschliesst man vor dem Problem aber die Augen. Nur der junge Deputy Jamie Bowen (Tye Sheridan) fängt an, Husk bei seinen Ermittlungen zu unterstützen. Was die Ermittler zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen: Der charismatische Bob Mathews (Nicholas Hoult) hat genug von Butlers blossem Gerede über eine rein-weisse Gesellschaft. Er will endlich Taten folgen lassen. Mit einigen Getreuen hat er sich abgespalten und eine neue Organisation gegründet. Aktuell geht es noch darum, die Kriegskasse zu füllen und neue Anhänger zu rekrutieren. Doch schon bald soll der politische Umsturz mit einer Serie von Morden und Terroranschlägen beginnen…

Die fantastische Schauspielleistung von Jude Law und Nicolas Hoult überzeugt. Der Kampf gegen den Faschismus ist eine ernste Angelegenheit, heute mehr denn je, und es ist richtig, dass der Regisseur Kurzel uns Zuschauer darauf sensibilisiert. The Order hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Sehenswerter Film aus der wahren Geschichte der Jagd auf eine Nazi-Terrorgruppe, ein fesselnden Action-Thriller.

Besetzung: Jude Law, Nicholas Hoult, Tye Sheridan, Jurnee Smollett, Alison Oliver, Marc Maron

Regie: Justin Kurzel

The Room Next Door

The Room Next Door

Die Schriftstellerin Ingrid (Julianne Moore) signiert in New York ihr neues Buch über den Tod, „On Sudden Deaths“, als plötzlich eine Bekannte vor ihr steht. Die beiden sprechen kurz, wobei die Bekannte erwähnt, dass Ingrids alte Freundin Martha (Tilda Swinton) im Sterben liege. Ingrid ist bestürzt und entschliesst sich Martha im Krankenhaus zu besuchen. Martha bittet Ingrid schliesslich sie bei ihrem Freitod zu begleiten. Sie habe sich im Darknet eine entsprechende Pille besorgt und fahre in ein abgelegenes Ferienhaus, im Naturschutzgebiet rund zwei Stunden von Manhattan entfernt.

Es ist eine intensive Geschichte von Almodóvar über zwei Frauen in einem gewissen Alter. Die Besetzung durch Julianne Moore und Tilda Swinton ist ihm gelungen und man merkt, dass die Chemie zwischen den beiden Frauen sowohl im Dreh als auch im Privaten stimmt. Trotz des aufgegriffenen, zum Nachdenken anregenden Themas wird zwischendurch viel gelacht, was ich sehr schön fand, da die Hoffnung nie versiegt, und wurde mit wunderschönen Bildern untermalt.

Besetzung: Julianne Moore, Tilda Swinton, John Turturro, Alex Høgh Andersen, Esther McGregor, Victoria Luengo, Juan Diego Botto, Raúl Arévalo, Alvise Rigo, Alessandro Nivola, Melina Matthews

Regie: Pedro Almodóvar

The Unholy Trinity

The Unholy Trinity

Wilde Western, Montana, 1870. Der verurteilte Isaac Broadway wird gehängt und fordert vor seinem Tod seinem Sohn Henry dazu auf, ihn zu rächen und den Mann zu töten, der ihm das Verbrechen angehängt und ihn unschuldig dem Tode geweiht hat. So reist sein Sohn Henry in die Stadt Trinity und wird Zeuge des Duells zwischen Sheriff Gabriel (Pierce Brosnan) und Christopher (Samuel L. Jackson).

Leider zeigt dieser Western nichts Neues, ja, man hat alles irgendwo schon einmal gesehen. Solide Story, schöne Bilder, bietet jedoch keine Überraschungen und ist im Grossen und Ganzen – trotz hochkarätiger Besetzung -eher langweilig.

Besetzung: Pierce Brosnan, Samuel L. Jackson, Brandon Lessard, Ethan Peck, Veronica Ferres, Q’orianka Kilcher, Tim Daly

Regie: Richard Gray

Thelma

Thelma

„Thelma“ von Josh Margolin ist ein humorvoller und zugleich tiefgründiger Film, der die Geschichte einer bemerkenswerten 93-jährigen Frau erzählt. Thelma (June Louise Squibb) hat in ihrem Leben schon eine Menge durchgemacht: Krankheiten, den Verlust ihres Mannes und die Herausforderungen des Alters. Trotzdem hat sie sich gut mit dem Alleinleben arrangiert und verbringt ihre Tage mit Stickereien, Fitnessübungen und Computerspielen. Ihr Enkel Danny (Fred Hechinger) hilft ihr ab und zu bei Einkäufen und Computerproblemen, doch ansonsten kommt sie gut alleine zurecht. Sie ist stolz auf ihre Unabhängigkeit. Doch als Thelma Opfer eines „Enkeltrick-Betrugs“ wird und ihre gesamten Ersparnisse verliert, gerät ihr Leben aus den Fugen. Noch schlimmer ist, dass ihre Familie sie nun als hilflose alte Frau sieht, die ins Altersheim gehört. Für Thelma ist das unerträglich. Inspiriert von ihrem Vorbild Tom Cruise, der nie aufgibt, startet sie einen Rachefeldzug: Sie muss das Geld zurückbekommen, um ihrer Familie zu beweisen, dass sie noch immer stark und selbstständig ist.

Die langsamen Bewegungen und Szenen im Film spiegeln Thelmas inneren Konflikt wider, da die Dreharbeiten aufgrund ihres Alters angepasst wurden. Diese ruhigen Momente verstärken die emotionale Tiefe der Geschichte und vermitteln ein Gefühl von Entschlossenheit und Reflexion. Squibb liefert eine beeindruckende Darstellung, die von Stolz, Entschlossenheit und einer Prise Humor geprägt ist. „Thelma“ ist ein Film über Selbstbestimmung und den Mut, für das zu kämpfen, was einem wichtig ist. Ein berührender und inspirierender Film, der sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt.

Besetzung: June Louise Squibb, Fred Hechinger, Richard Roundtree, Parker Posey, Malcolm McDowell, Aidan Fiske, David Giuliani

Regie: Josh Margolin

Typisch Emil

Typisch Emil

Die Erzählung fokussiert sich auf Emils Durchbruch als junger Mensch, der sich mutig aus dem sicheren Elternhaus löste, um seinen Traum zu verfolgen. Gegen den Willen seiner Eltern gab er seine stabile Arbeit als Postbeamter auf und entschloss sich, Komödiant zu werden. Dieser Schritt ist der erste von vielen in seinem unkonventionellen Leben, das von der Entschlossenheit geprägt ist, seinen Traum zu leben. Der Film zeigt, wie Emil sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen oder familiären Vorstellungen aufhalten lässt und stattdessen seiner Leidenschaft folgt – auch wenn der Weg nicht immer einfach ist.

Ein spannender Teil der Geschichte ist Emils Zeit in New York, wo er versuchte, seiner wachsenden Popularität zu entfliehen und ein einfacheres Leben zu führen. Doch anstatt der erhofften Anonymität fand er sich auch dort wieder im Rampenlicht – er versorgte die Schweizer Medien weiterhin mit Kolumnen, Interviews und TV-Auftritten. Diese Erfahrung verdeutlicht die Herausforderung, sich von den Erwartungen der Aussenwelt zu befreien, während er gleichzeitig seine künstlerische Identität bewahrte. In New York lernte er auch seine Frau Niccel kennen.

Ein bewegender Dokumentarfilm über Emil Steinberger. Sehr kurzweilig und lustig erzählt, zeigt jedoch wenig über Emils Familie. Man erfährt weder über Eltern, noch über seine erste Frau und seine 2 Söhne, Informationen. Darüber wird nur kurz am Schluss erwähnt. Nur Emil bringt es fertig, uns Menschen in unserer Lächerlichkeit zu zeigen, ohne zu verletzen. Sein Humor ist zeitlos.

Besetzung: Emil Steinberger, Niccel Steinberger

Regie: Phil Meyer

Veni Vidi Vici

Veni Vidi Vici

Die Milliardäre Amon und Viktoria Maynard führen gemeinsam mit ihren Kindern ein nahezu perfektes Leben. Der immense Reichtum der Familie ermöglicht es ihr, ein Leben völlig frei von Konsequenzen. So geht Amon leidenschaftlich der Jagd nach, schiesst jedoch keine Tiere. Für ihre Gewalttaten werden die Maynards (trotz Beweisen) nicht zur Verantwortung gezogen.

Eine Geschichte über masslose Dekadenz, in der Fantasien keine Grenzen gesetzt sind. Sie zeigt auf, wie eine Welt wäre, wenn das Geld die absolute Macht besitzt, sich von Schuld freizukaufen. Ein Film über Gewinner und Verlierer – Erfrischend anders und masslos skurril!

Besetzung: Laurence Rupp, Ursina Lardi, Johanna Orsini, Martina Spitzer, Markus Schleinzer, Manfred Böll, Christoph Radakovits, Babett Arens

Regie: Daniel Hoesl, Julia Niemann

William Tell

We Live In Time

John Crowley’s „We Live In Time“ ist ein eindrucksvolles und nachdenklich stimmendes Drama, das mit seiner sanften Erzählweise und den tiefgründigen Charakteren sofort fesselt. Die Geschichte folgt einem Paar, das sich mit den Herausforderungen der Liebe, Zeit und Veränderungen auseinandersetzt. Besonders hervorzuheben ist die aussergewöhnliche Chemie zwischen den Hauptdarstellern, die in jeder Szene eine spürbare emotionale Tiefe vermitteln.

Der Film spricht auf eine subtile Weise die grossen Fragen des Lebens an, ohne dabei in Klischees abzurutschen. Die Erzählweise ist ruhig, aber niemals langatmig. Crowley versteht es meisterhaft, die Zeit als Konzept zu nutzen und gleichzeitig den menschlichen Drang nach Verbindung und Verständnis zu zeigen. Die visuellen Aspekte des Films, zusammen mit der zurückhaltenden Musik, verstärken diese Stimmung noch und sorgen für eine Atmosphäre, die den Zuschauer zum Nachdenken anregt.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Authentizität der Charaktere. Es gibt keinen übertriebenen Dramaaufbau oder künstliche Wendungen, sondern ein echtes Porträt von zwei Menschen, die mit ihren eigenen Ängsten und Hoffnungen kämpfen. Die Dialoge sind klug, oft sogar poetisch, und die Szenen zwischen den Protagonisten wirken auf eine sehr intime Weise wahrhaftig.

Alles in allem ist „We Live In Time“ ein Film, der nicht nur durch seine emotionalen Momente besticht, sondern auch durch seine Fähigkeit, Fragen zu stellen, die lange nach dem Abspann noch nachhallen. Ein Film, der zum Reflektieren anregt, aber dabei nie schwerfällig wirkt. Es ist eine schöne und sehr persönliche Erzählung über die Unvorhersehbarkeit des Lebens und die Bedeutung von Verbindung, die ich jedem nur empfehlen kann.

Besetzung: Andrew Garfield, Florence Pugh, Grace Delaney, Lee Braithwaite, Aoife Hinds, Adam James, Douglas Hodge, Amy Morgan, Niamh Cusack, Lucy Briers, Robert Boulter, Nikhil Parmar

Regie: John Crowley

William Tell

When The Light Breaks

Dieser isländische Film ist ein eindrucksvolles und emotional berührendes Meisterwerk, das mit einer subtilen Erzählweise und kraftvollen Bildern die komplexe Dynamik zwischen Vater und Sohn aufgreift. Die Geschichte entfaltet sich langsam und mit viel Feingefühl, was es dem Zuschauer ermöglicht, eine tiefe Verbindung zu den Charakteren aufzubauen. Besonders die Darstellung der schwierigen Beziehung zwischen den beiden Protagonisten ist bemerkenswert, da sie weder klischeehaft noch übertrieben wirkt.

Die Leistungen der Schauspieler sind herausragend. Der Hauptdarsteller, der den Sohn spielt, liefert eine beeindruckende Darstellung eines jungen Mannes, der versucht, in einer Welt, die von ihm verlangt, zu funktionieren, eine tiefere Bedeutung zu finden. Der Vater, gespielt von einem erfahrenen Schauspieler, bringt eine beeindruckende Ruhe und Verletzlichkeit in seine Rolle ein, die den Film noch eindrücklicher macht. Die Chemie zwischen den beiden fühlt sich sehr authentisch an und lässt die emotionalen Konflikte auf eine spürbare Weise aufleben.

Der Film ist von einer ruhigen, fast meditativen Stimmung durchzogen, die durch die minimalistischen Dialoge und die weiten, eindrucksvolle Landschaften verstärkt wird. Diese Bilder tragen dazu bei, die innere Einsamkeit und die emotionale Isolation der Figuren auf kraftvolle Weise zu visualisieren. Dabei vermittelt der Film eine universelle Botschaft über die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und den unausgesprochenen Schmerz, der oft in familiären Beziehungen liegt.

„When The Light Breaks“ ist ein Film, der einen nicht nur über das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern nachdenken lässt, sondern auch über die Frage, wie wir uns in der Welt und in unseren Beziehungen zueinander zurechtfinden. Ein stiller, aber unglaublich kraftvoller Film, den ich jedem nur empfehlen kann..

Besetzung: Elín Hall, Katla Njálsdóttir, Ágúst Wigum, Mikael Kaaber, Baldur Einarsson

Regie: Rúnar Rúnarsson

William Tell

When We Were Sisters

Dieser Film von der Züricherin Lisa Brühlmann hat natürlich ein Heimspiel am ZFF. Mit einer klaren und zugleich emotional tiefgehenden Erzählweise entführt uns Lisa Brühlmann in die Welt von zwei Schwestern, deren Beziehung durch Geheimnisse, Missverständnisse und ein tiefes Bedürfnis nach Nähe geprägt ist. Der Film greift die Komplexität von Geschwisterbeziehungen auf und zeigt auf beeindruckende Weise, wie Liebe und Konflikte miteinander verwoben sind.

Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen ist sehr intensiv. Man spürt förmlich die Spannung und Zuneigung, die zwischen den Schwestern herrscht. Dabei bleibt der Film nie oberflächlich – er taucht tief in die Gefühle und Ängste der Charaktere ein, ohne dabei den Zuschauer mit unnötigem Drama zu überladen. Die subtile Inszenierung lässt Raum für eigene Interpretationen und zieht einen unweigerlich in den Bann.

Was „When We Were Sisters“ besonders auszeichnet, ist die Mischung aus Intimität und universellen Themen. Die Zuschauer können sich leicht mit den dargestellten Konflikten und Sehnsüchten identifizieren, auch wenn sie selbst nicht in einer ähnlichen familiären Situation sind. Brühlmann versteht es meisterhaft, eine Geschichte zu erzählen, die sowohl persönlich als auch allgemein zugänglich ist.

Die schlichte, aber sehr wirkungsvolle Bildsprache verstärkt das Gefühl der Nähe und Distanz, das die Schwestern miteinander erleben. Jede Szene ist präzise komponiert, und die ruhige, aber eindrückliche Musik unterstreicht die emotionale Tiefe der Geschichte. Die Filmästhetik trägt erheblich dazu bei, die zarten Nuancen der Beziehung zwischen den beiden Protagonistinnen einzufangen.

Abschliessend lässt sich sagen, dass dieser Film nicht nur wegen seiner starken Darstellerleistungen und der tollen Regie beeindruckt, sondern auch wegen seiner Fähigkeit, eine universelle menschliche Erfahrung auf so einfühlsame Weise darzustellen. „When We Were Sisters“ ist ein fesselndes Drama, das weit über die Geschichte der Schwestern hinausgeht und einem noch lange nach dem Abspann zum Nachdenken anregt. Ein Film, den man nicht so schnell vergisst.

Besetzung: Lisa Brühlmann, Paula Rappaport, Malou Mösli, Carlos Leal

Regie: Lisa Brühlmann

William Tell

William Tell

„William Tell“ von Nick Hamm ist ein Historienfilm, der die legendäre Geschichte des berühmten Schweizer Freiheitskämpfers auf moderne Weise neu interpretiert. Inspiriert von Friedrich Schillers Stück, schmückt Hamm die Lebensgeschichte von Wilhelm Tell erheblich aus und führt zusätzliche Elemente ein, die so in der klassischen Erzählung nicht vorkommen. In seiner Version stellt der Regisseur dem Protagonisten eine Frau und einen Adoptivsohn zur Seite, die er als Kreuzritter in Jerusalem kennengelernt hat. Diese Erweiterung der Geschichte verleiht der Erzählung eine neue Tiefe und menschliche Komponente, die den Fokus auf Tells Beziehungen und sein inneres Leben legt.

Der Film bleibt der bekannten Sage treu, insbesondere der dramatischen Szene, in der Tell gezwungen wird, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen, um seine Unschuld zu beweisen. Doch Hamm geht weit darüber hinaus und baut eine Geschichte von persönlichem Opfer und Widerstand auf, die Tells Kampf gegen die tyrannische Herrschaft von Gessler vertieft. Trotz dieser erweiterte Erzählweise bleibt der Film jedoch weniger emotional packend, als man es vielleicht erwartet hätte.

Die Landschaften im Film, die als Kulisse für die Geschichte dienen, wirken leider nicht natürlich, sondern wurden stark mit digitalen Effekten bearbeitet. Dies mindert die Authentizität und lässt die majestätische Schweizer Natur nicht so eindrucksvoll zur Geltung kommen, insbesondere die Fahrt über den Vierwaldstättersee. Der Film wurde auch nicht in der Schweiz gedreht, sondern hauptsächlich in Südtirol und in Rom. Diese Entscheidung stiess in Altdorf und Umgebung auf Enttäuschung. Die Entscheidung, in Italien zu drehen, war anscheinend eine rein finanzielle Überlegung, da die italienische Filmförderung dem Team eine Steuerrückerstattung von 40 Prozent angeboten haben soll, was den Dreh dort wirtschaftlich attraktiv machte.

Die Charaktere, insbesondere Tell, sind nachvollziehbar, aber nicht besonders tiefgründig. Der Fokus liegt stärker auf der Action und den historischen Ereignissen als auf emotionaler Tiefe. Insgesamt ist „William Tell“ ein solider Historienfilm, der vor allem mit spannender Action und interessanten Erweiterungen der klassischen Erzählung überzeugt, aber in emotionaler Hinsicht etwas zu flach bleibt.

Besetzung: Claes Bang, Connor Swindells, Golshifteh Farahani, Jonah Hauer-King, Ellie Bamber, Jonathan Pryce, Sir Ben Kingsley, Rafe Spall, Sam Keeley, Jonah Hauer-King, Solly McLeod, Amar Chadha-Patel

Regie: Nick Hamm

William Tell

Wisdom Of Happiness

Der Film bietet eine tiefgründige Reise zu einem Thema, das universell und zeitlos ist: das Streben nach Glück und Weisheit. Barbara Miller und Philip Delaquis schaffen es meisterhaft, auf eine sehr einfühlsame und respektvolle Weise verschiedene Perspektiven auf das Glück zu zeigen. Durch ihre Erzählweise, die sowohl informativ als auch emotional berührend ist, gelingt es ihnen, den Zuschauer in die Welt derjenigen zu entführen, die sich intensiv mit dem Thema Lebensfreude auseinandersetzen.

Besonders beeindruckend ist die Auswahl der Menschen, die ihre persönlichen Geschichten und Lebensweisheiten teilen. Jeder von ihnen trägt etwas Einzigartiges zur Erzählung bei und führt uns in die Vielfalt menschlicher Erfahrungen eintauchen. Der Film bietet zudem ein filmisches Porträt des 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso. In einem seiner wahrscheinlich letzten Interviews wendet sich der Dalai Lama direkt an das Publikum und teilt seine wertvollen Einsichten zur Suche nach Glück in der heutigen Zeit. Der Film kombiniert persönliche Aufnahmen des Dalai Lama, historische Archivaufnahmen und aktuelle Szenen, die die globalen Herausforderungen widerspiegeln, mit denen die Menschheit heute konfrontiert ist. Dies verleiht dem Film eine zeitgenössische Relevanz und verdeutlicht, wie die Weisheiten des Dalai Lama auch in der heutigen, oft turbulenten Welt noch immer eine Quelle der Hoffnung und Orientierung darstellen..

Eine besondere Note erhält der Film durch die Referenz zu Richard Gere, der nicht nur durch seine Rolle als Schauspieler bekannt ist, sondern auch als engagierter Praktizierender von Meditation und buddhistischer Philosophie. Als er beim ZFF seine Gedanken über das Streben nach innerer Ruhe und das Finden von Frieden im Leben teilte, spiegelte sich sein Auftritt wunderbar in der Botschaft des Films wider.

„Wisdom of Happiness“ ist ein Film, der den Zuschauer auf einer sehr persönlichen Ebene anspricht und ihm gleichzeitig die Möglichkeit gibt, über das eigene Leben nachzudenken. Ein Film, den ich wirklich empfehlen kann, wenn man auf der Suche nach Inspiration und einer neuen Perspektive auf das Leben ist.

Besetzung: Claes Bang, Connor Swindells, Golshifteh Farahani, Jonah Hauer-King, Ellie Bamber, Jonathan Pryce, Sir Ben Kingsley, Rafe Spall, Sam Keeley, Jonah Hauer-King, Solly McLeod, Amar Chadha-Patel

Regie: Barbara Miller, Philip Delaquis