
About Kim Sohee
Kim Sohee ist die personifizierte Vitalität: Sie hat Humor, ist entschlossen und liebt es zu tanzen. Als Schülerin einer Berufsschule kommt sie im Rahmen ihres Abschlusspraktikums in das Callcenter einer Telefongesellschaft. Das Unternehmen arbeitet hauptsächlich mit Praktikanten und setzt die jungen Leute unter enormen Druck. Die zu erreichenden Ziele sind nahezu unhaltbar und die Arbeitsbedingungen entwürdigend. Sohee ist mutig, aber wird sie in einer solchen Umgebung überleben können? Eine Intervention stellt sich ein, als sie auf Detektivin Oh Yoo-Jin trifft. Dieser Film zeigt junge Menschen, die hart arbeiten müssen, um sich eine Zukunft in Korea aufzubauen und gleichzeitig wie erbarmungslos sie mit dem Zeitdruck und die Härte der Arbeitswelt konfrontiert werden. Im ersten Teil des Films zeigt eine Gesellschaftsstudie über den Umgang in einer Welt der Hierarchien und Gewinnmaximierung. Der zweite Teil stellt sich als Krimi heraus, der die Hintergründe im ersten Teil blosslegt. Ein von einem grossartigen Schauspielerinnenpaar getragener Film, basierend auf einer realen Begebenheit und behutsam zwischen Drama und Krimi pendelnd.
Besetzung: Kim Si-eun, Bae Doona, Choi Hee-jin, Song Yo-sep
Regie: July Jung


Angel Applicant
In seiner Recherchen über seine eigene Krankheit, entdeckt der Regisseur Ken August Meyer in einer farbenfrohen, ausdrucksstarken Werken des verstorbenen deutsch-schweizerischen Künstlers der Moderne, Paul Klee, eine einfühlsame Weisheit, wie er mit seiner tödlichen Autoimmunkrankheit umgehen kann.
Sehr eindrücklich erzählt und gibt gute Querverweise zu den Klees Bilder. Ausserdem gibt sich der Regisseur sehr volksnah und vermittelt durch seine Dokumentarfilm Hoffnung.
Regie: Ken August Meyer


Anselm
Der Film porträtiert den Künstler Anselm Kiefer und beleuchtet sein Werk, seine Lebensreise, Inspiration, kreativen Prozess und seine Faszination für Mythologie und Geschichte. Anselm ist ein 3D Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Wim Wenders. Der Film bietet einen Einblick in das Schaffen und Denkweise von Anselm Kiefer, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Seine Kunst lebt von der Grösse, was aus der Dokumentation heraussticht. Alles in allem ist der Film sehr stimmig und bietet schöne Einblicke in die Kunst. Sehenswert.
Besetzung: Anselm Kiefer, Daniel Kiefer, Anton Wenders
Regie: Wim Wenders


Beyond Utopia
Im Mittelpunkt des Films stehen ein mutiger Pastor, ein Mann Gottes, der einer Mutter helfen will, ihr Kind wiederzufinden, das sie zurücklassen musste, und eine fünfköpfige Familie – darunter kleine Kinder und eine ältere Grossmutter -, die sich auf eine gefährliche Reise in die feindlichen Berge Chinas begibt.
Dieser Dokumentarfilm zeigt zwei Familien, die versuchen, der Unterdrückung in Nordkorea zu entfliehen. Sie begeben sich auf eine gefährliche Reise, ohne die Zukunft zu kennen.
Wenn ein Dokumentarfilm, so spannend und mit intensiven Bilder, welche keine nachgestellten Szenen beinhaltet, gezeigt wird, braucht es keinen Erzähler. Denn dieser Film ist ehrlich und herzzerreissend. Beyond Utopia veranschaulicht die unerbittliche Verfolgung der grundlegendsten Menschenrechte.
Besetzung: Hyeonseo Lee, Seungeun Kim, Soyeon Lee, Sue Mi Terry, Barbara Demick
Regie: Madeleine Gavin


Birthday Girl
“Birthday Girl” ist ein dänischer Psychothriller aus dem Jahr 2023, der von der alleinerziehenden Nanna und ihrer Tochter Cille handelt. Nanna lädt Cille und ihre Freundin zu einer Kreuzfahrt in die Karibik ein, um Cilles 18. Geburtstag zu feiern. Die Erwartungen an die Reise sind hoch, und die feierlichen Pläne dafür sind bereits geschmiedet . Doch schon am ersten Abend verwandelt sich die vermeintlich traumhafte Fahrt in einen Albtraum: Es kommt zu einem Übergriff – oder doch nicht? Ein spannender dänischer Film, der die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen lässt – mit einer neuen Wendung wider Erwartens!
Der Film beginnt heiter und überdreht anfänglich und hat einen guten Drive, flacht jedoch gegen Ende zu flach ab. Dennoch finde Ich den Film am Anfang sehr atmosphärisch – sehenswert, jedoch nicht hervorragend. Wenn die Party zum Alptraum wird….
Besetzung: Trine Dyrholm, Herman Tømmeraas, Flora Ofelia Hofmann Lindahl, Nathan Popa, Maarja Sau, Maja Ida Thiele
Regie: Michael Noer


Bottlemen
In Bottlemen, ein Dokumentarfilm des serbischen Autors und Regisseurs Nemanja Vojinovic, taucht in die raue Welt der Männer ein, die auf der riesigen Mülldeponie Vinca, nähe Belgrad als Müllsammler für recycelbare Kunststoffe arbeiten. Dieser Film porträtiert Menschen, die einst getrieben von Geldnot auf die Deponie kam.
Ich fand den Dokumentarfilm sehr interessant, bietet spannende Einblicke, jedoch kamen mir nach dem Film viele Fragen auf, welche nicht beantwortet wurden. Viele der kritischen Fragen wurden aus Angst vor Verfolgung ausgeblendet oder übergangen. In flüchtigen Momenten ist die Nervosität bei den Interviews der Müllsammler sichtbar.
Regie: Nemanja Vojinović


The Boy And The Heron
Im Jahr 1943 stirbt Hisako (Mahitos Mutter) während eines Luftangriffs im Zweiten Weltkrieges. Nach dem Tod heiratet Mahitos Vater, seine Schwägerin, Hisakos jüngere Schwester. Mahito fällt es schwer, sich in sein neues Umfeld zu integrieren, er träumt vom Feuertod seiner Mutter und das Verhältnis zu der bereits schwangeren Natsuko ist angespannt. Einsam beginnt Mahito die geheimnisvolle Landschaft zu erkunden und es eröffnet sich ihm eine wundersame, ebenso verblüffende Fantasiewelt.
The Boy and the Heron ist ein neuer Anime-Film von Hayao Miyazaki, welche im 2023 in den europäischen Kinos gezeigt wird. Wie so oft steht im Zentrum des Films eine junge Figur, deren persönlicher Schmerz in einer Reihe übernatürlicher Begegnungen verarbeitet wird. Nach einer zehnjähriger Pause kehrt Miyazaki mit einem faszinierenden Film über Trauer und das Ende der Kindheit zurück. Die künstlerische Umsetzung bleibt dem Stil des Meisters treu. Die Animationen sind alle handgezeichnet und das Ergebnis atemberaubend!
Regie: Hayao Miyazaki


The Breaking Ice
Die Kamera fliegt über eine karge, verschneite Landschaft im Nordosten Chinas, folgt dem halbgefrorenen Lauf eines Flusses, bleibt bei einer Gruppe Männer hängen und beobachtete sie beim Lösen von Eisschollen aus dem Fluss. Auf der Strasse etwas stromabwärts fährt ein Reisebus vorbei. Drin hält die Reiseleitern Nana eine Gruppe Touristen bei Laune. Sie erzählt dies und jenes, Anekdoten und Witze, bis ihre Füsse schmerzen. Gleichzeitig ist der aufstrebende Finanzprofi Haofeng in einem nahen Hotel auf der Hochzeit eines Schulkameraden eingeladen. Während ausgiebig gefeiert wird, scheint Haofeng, der extra aus Shanghai angereist ist, traurig und wirkt etwas abwesend. Als ihn ein Anruf erreicht, verlässt er den Saal, um diesen anzunehmen. Den Anruf des psychiatrischen Dienstes blockt er zwar rasch ab – gleichzeitig beobachtet er interessiert den ankommenden Reisebus von Nana. Er wird von ihr zum Abendessen mit ihrem Freund Han Xiao eingeladen, was feucht-fröhlich endet, wo auch die Geschichte vom Trio beginnt.
Anthony Chen versucht hier den Geist der jungen Generation in China auf die Leinwand zu zeigen, was meiner Meinung nach, sehr gut gelungen ist. Es ist ein wildes Abenteuer in einem kalten, eisigen Gegend, jedoch bespickt durch zwischenmenschlicher Wärme und das Geniessen von flüchtiger Verbundenheit zwischen fremden Menschen in der kühlen chinesischen Alltäglichkeit. Dem Regisseur ist es gelungen, trotz karge, winterliche Landschaft, ein durchaus lebensbejahenden Film zu drehen. Sehr atmosphärisch und sympathischer Film.
Besetzung: Zhou Dongyu, Liu Haoran, Qu Chuxiao
Regie: Anthony Chen


In Broad Daylight
Eine Frau gibt sich als die Enkeltochter aus um einen Artikel über die Bewohner des Pflegeheims in Hongkong zu schreiben. Das Pflegeheim «die Rainbow Bridge» kümmert sich um eine Vielzahl von Kunden, nicht nur ausschliesslich um betagte Menschen, sondern auch um Behinderte und Menschen mit Lernschwierigkeiten – Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die betreut werden müssen, die aber von ihren Familien oder der Gesellschaft im Allgemeinen gerne versteckt halten.
Dieser Film zeigt unbarmherzig auf, wie es zurzeit überall auf der Welt, eine Überalterung herrscht und besonders in Hongkong sich die Situation zuspitzt. Dort ist die Zahl der Pflegeheime so gross, dass Familien, die einen Platz für einen bedürftigen Menschen suchen, kompromisslos akzeptieren müssen, damit sie einen Platz erhalten. Nicht nur, dass die schlechten Arbeitsbedingungen zu einem Personalmangel in diesen Heimen geführt haben, auch das Sozialamt, das die Lizenzen erteilt, versäumt es oft, bekannte Mängel nachzugehen. Das System wird durch lange Wartelisten noch verschlimmert. Ich fand den Film sehr eindrücklich und erschreckend zugleich.
Besetzung: David Chiang, Jennifer Yu, Bowie Lam, Leung Chung Hang, Chou Henick, Chan Charm Man Peter, Leung Yung Ting Rache
Regie: Lawrence Kan


Cat Person
Die College-Studentin Margot arbeitet in einem Kino, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eines Tages trifft sie auf den 33-jährigen, ein bisschen unbeholfen erscheinenden, jedoch auch geheimnisvollen Robert. Nach einem lockeren Flirt am Imbissstand setzen sie ihr Gespräch über Textnachrichten fort. Der Film zeigt die nur allzu bekannten Ängste auf, welche Frauen erleben, wenn sie sich mit neuen Männern treffen. Dargestellt als innere Dialoge mit sich selbst, als Pro und Contra in einer Person.
Sehr witzig, jung, spritzig und empathisch, mit einem präzisen Blick für das rollentypisches Verhalten der Geschlechter. Einfach wunderbar.
Besetzung: Emilia Jones, Nicholas Braun, Isabella Rossellini, Geraldine Viswanathan, Hope Davis
Regie: Susanna Fogel


Catching Fire: The Story Of Anita Pallenberg
Dieser intime Dokumentarfilm enthüllt die Geschichte einer unerschrockenen Rock ’n‘ Rollerin, Schauspielerin, Muse und Mutter, die in den 1960er und 1970er Jahren zu grosser Bekanntheit gelangte. Mit den Worten ihrer unveröffentlichten Memoiren lässt uns Anita tief in ihre Welt eintauchen, unterstützt von ihrer Familie – Marlon, Angela und ihrem Vater Keith Richards. Nie zuvor gezeigte Heimvideos und Familienfotos zeigen das Leben mit den Rolling Stones: eine bittersüsse Geschichte über Triumph und Herzschmerz. Eine Geschichte über eine äusserst charismatische Person mit viel Drive!
Die Geschichte mit viele Fotos und Kurzvideos aus dem Archiv zu unterlegen, schafft eine sehr intime Ebene und lässt den Zuschauer aktiv ans Geschehen teilhaben. Eine gute Dokumentation für einen Einblick in die Person Anita Pallenberg, Force of Nature. Sehr interessant und unterhaltsam.
Besetzung: Scarlett Johansson, Anita Pallenberg, Marlon Richards, Angela Richards, Keith Richards, Marianne Faithfull, Kate Moss, Sandro Sursock
Regie: Alexis Bloom, Svetlana Zill


Dream Scenario
„Dream Scenario“ ist ein skurrilen und zum Nachdenken anregenden Film. Paul Matthews (gespielt von Nicolas Cage) führt, ein unscheinbarer Biologieprofessor, ein ruhiges Leben. Sein Traum, ein Buch über die Schwarmintelligenz von Ameisen zu schreiben, bleibt von der Welt unbemerkt – bis er auf unerklärliche Weise beginnt, in den Träumen anderer Menschen aufzutauchen. Sogar von Menschen, die er nicht kennt. In den Träumen ist er ein stummer Beobachter. Jedoch gelangt er ungewollt mit seinem nächtlicher Ruhm ins Rampenlicht. Nicolas Cage brilliert in dieser Rolle als ein Mann, der mit all den Dingen, die ihm widerfahren, nicht zurechtkommt.
Der Film spielt mit der Absurdität und kontrastiert gefährliche Situationen mit Pauls Passivität. Das Publikum lacht über die bizarren Traumsequenzen und fragt sich, warum dieser scheinbar gewöhnliche Mann in diesen Träumen vorkommt. Warum taucht dieser Niemand im Unterbewusstsein der Menschen auf? Der Film liefert keine endgültigen Antworten. Es wird viel spekuliert, aber die Fragen bleiben unbeantwortet. Der Film ist stellenweise urkomisch, sehr sympathisch, pointiert, fantasievoll und menschlich nachvollziehbar. Gegen Ende wird er umso düsterer – jedoch ohne dabei seinen Reiz zu verlieren.
Ich finde den Film sehr erfrischend anders und beweist, dass Cage nicht nur ein talentierter Schauspieler ist, sondern es versteht, über seine eigene mythische Figur zu lachen. Eine sehr kluge Wahl zur «Dream Scenario».
Besetzung: Nicolas Cage, Julianne Nicholson, Michael Cera, Dylan Baker, Tim Meadows, Dylan Gelula
Regie: Kristoffer Borgli


Dumb Money
Eine Gruppe von Investoren investiert in die angeschlagene Videospielkette GameStop. Dies entfesselt einen unerwarteten finanziellen Boom, der die Aktie des Unternehmens in die Höhe schnellen lässt und milliardenschwere Hedgefonds ins Wanken bringt. Diese Wende führt dazu, dass die Manager der Fonds zusehen müssen, wie ihre milliardenschweren Investments zerbröckeln und sie am Rande des Abgrunds stehen. Doch so leicht geben die Finanzhaie nicht auf. Eine Schlacht zwischen David und Goliath beginnt.
Daraus ist eine Satire geworden, eine Zusammenfassung eines realen, sonderbaren Wirtschafts- und Social-Media-Phänomens. Eine spassige, quirlige Erzählform.
Jedoch kommt bei so vielen Figuren einige fast ein bisschen zu kurz.
Besetzung: Paul Dano, Shailene Woodley, Seth Rogen, Sebastian Stan, Vincent D’Onofrio, Pete Davidson, America Ferrera, Nick Offerman, Anthony Ramos
Regie: Craig Gillespie


Eileen
Die junge Eileen (Thomasin McKenzie) ist zwischen zwei Welten gefangen. In der einer Welt muss sie sich um ihren alkoholkranken Vater (Shea Whigham) kümmern und in der anderen arbeitet sie in einem Jungen-Gefängnis. An langweiligen Tagen gibt sie sich perversen Fantasien hin und träumt davon, in die Grossstadt zu entfliehen. Bis es so weit ist, verbringt sie ihre Nächte und Wochenenden mit Ladendiebstählen und dem Stalken des gut aussehenden Gefängnis-Aufsehers Randy (Owen Teague). Als eines Tages eine neue Beraterin namens Rebecca (Anne Hathaway) im Gefängnis anfängt, ändert sich ihr Leben schlagartig. Die beiden freunden sich an und Eileen ist nahezu verzaubert von der neuen Arbeitskollegin. Jedoch schlägt die anfängliche Zuneigung bald um und sie findet sich inmitten eines mysteriösen Verbrechens wieder…
Der Film fängt sehr verheissungsvoll mit Spannung und Verwirrungen an. Verspricht eine spannende Geschichte zu werden, jedoch verheddert sich die Story so sehr, dass am Ende die Auflösung nicht mehr ganz passt. Ebenso konnte ich den Film in kein Genre einordnen…vielleicht ist dies gewollt vom Regisseur?
Besetzung: Anne Hathaway, Thomasin McKenzie, Shea Whigham, Marin Ireland, Owen Teague
Regie: William Oldroyd


Evil Does Not Exist
In Ryusuke Hamaguchis neuem Film geht es um das Zusammenleben mit Mensch und Natur. Doch ein Konzern will die Gegend für «Glamping» erschliessen. Mizubiki ist eine kleine Gemeinde in der Nähe von Tokio, doch zwischen der Metropole und der idyllischen Waldregion liegen Welten. Hier leben und arbeiten Menschen im Einklang mit sich und der Natur, sie schonen die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen. Das Trinkwasser stammt aus dem Bach, im Wald sammeln sie wilden Wasabi, die Abende verbringt man oft mit gemeinsamem Essen bei Nachbarn.
Dies ist ein sehr ruhiger Film, ganz langsam gleitet die Kamera voran, man sieht für eine lange Zeit die Baumspitzen, darüber zeigt sich immer wieder der blaue Himmel. Untermalt durch sphärische Klänge. Hamaguchi erzählt hier kein klassisches Ökodrama mit klar verteilten Rollen von Gut und Böse. Das Ende kommt dennoch unvermittelt und lässt viele Frage offen: Rache der Natur? Eine Reflexion auf menschliches Verhalten? Ein metaphysischer Kommentar? Dass die offenen Fragen keine Sackgasse bilden, sondern weitere Gedankenräume eröffnen, bleibt ein Rätsel.
Besetzung: Hitoshi Omika, Ryo Nishikawa, Ryuji Kosaka, Ayaka Shibutani, Hazuki Kikuchi, Hiroyuki Miura
Regie: Ryûsuke Hamaguchi


Fair Play
Emily (Phoebe Dynevor) und Luke (Alden Ehrenreich) sind jung und frisch verlobt. Die beiden analysieren Finanzmärkte für die selbe Firma, welche jedoch Beziehungen innerhalb der Belegschaft verbietet. Also müssen sie ihre Liebe unter Verschluss halten – sowohl der Chefetage als auch den KollegInnen gegenüber. Als wäre dies noch nicht anstrengend genug, wird einer der beiden befördert und somit Chef des anderen. Das verändert plötzlich das Machtverhältnis zwischen beiden erheblich. Schon bald sind die Risse in der Beziehung zu gross, um sie noch ignorieren zu können. Emily und Luke müssen sich also fragen, ob der reine Erfolg und schnöde Mammon diese Opfer noch wert sind. Doch beide werden von einem kaum zum Schweigen zu bringenden Ehrgeiz angetrieben…
Sehr gutes gespielt stellt diese spannende Geschichte eindrucksvoll die täglichen Herausforderungen einer modernen Frau in einer patriarchischen Gesellschaft dar.
Besetzung: Phoebe Dynevor, Alden Ehrenreich, Eddie Marsan
Besetzung: Chloe Domont


Femme
Der Film greift das Thema Homophobie und die möglichen Folgen auf.
Jules (gespielt von Nathan Stewart-Jarrett) ist eine talentierte Dragqueen, deren Leben und Karriere durch einen brutalen homophoben Angriff zerstört werden. Nach Monaten der Genesung trifft er in einer Männersauna auf seinen Angreifer, Preston (dargestellt von George MacKay), ohne zu wissen, dass es sich um denselben Mann handelt.
Preston verkörpert traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit: Tattoos, ein großes Auto und ein harter Außenauftritt. Doch seine Homosexualität bleibt im Verborgenen. Die Beziehung zwischen Jules und Preston ist geprägt von Dominanz und Unsicherheit. Jules, einst selbstbewusst als Dragqueen, hadert mit seinen Gefühlen und dem Trauma der Attacke. Daraus entwickelt sich eine explosive Geschichte.
Spannender Aufbau, raffiniert umgesetzt, die unterschwellige Angst ist permanent spürbar und der Spannungsbogen stets hoch gehalten. Die Machtdynamik kommt sehr gut zur Geltung und macht sichtbar, wie Preston seine traditionelle Vorstellung von Männlichkeit bedient, um seine eigene Homosexualität zu verbergen. Sehr empfehlenswert.
Besetzung: Nathan Stewart-Jarrett, George MacKay, Aaron Heffernan, John McCrea, Asha Reid
Regie: Sam H. Freeman, Ng Choon Ping


Fingernails
Die Handlung dreht sich um Anna, die trotz eines wissenschaftlichen Liebestests Zweifel an ihrer Beziehung hat. Obwohl die beiden eine schriftliche Bestätigung vorweisen können. Denn dies erhält man vom „Love Institute“, in dem anhand eines Fingernagelchecks beider Partner eindeutig analysiert wird, ob man sich liebt und zueinander gehört. Trotz dieses wissenschaftlichen Beweises, der zwar nicht rechtlich vorgeschrieben, gesellschaftlich aber mehr als erwünscht ist, beschleichen Anna jedoch in letzter Zeit Zweifel, ob Ryan wirklich „Mr Right“ ist. Sie nimmt selbst eine Stelle im Liebesinstitut an, wo sie von Amir (Riz Ahmed) angelernt wird – und für den sie zunehmend Gefühle entwickelt, was auf Gegenseitigkeit basiert.
Insgesamt ist “Fingernails” ein Science-Fiction-Liebesfilm, der auf ungewöhnliche Weise universelle Gefühle erkundet und zum Nachdenken anregt. Eine sehr interessante Idee und Hinterfragung der richtigen Partnerwahl.
Besetzung: Jessie Buckley, Riz Ahmed, Jeremy Allen White, Luke Wilson, Annie Murphy
Regie: Christos Nikou


The Golden Thread
Ausserhalb von Kalkutta stehen die letzten Fabrikgiganten der Juteproduktion, die sich seit der Industriellen Revolution kaum verändert haben. Trotz der beschwerlichen Arbeitsbedingungen wird in einem unermüdlichen Tanz von Metall und Schweiß hier Jute zu Seilen und Stoffen verarbeitet. Die Grenzen zwischen Menschen und Maschinen scheinen in diesem Kosmos voller Staub, Metall und Jute zu verwischen.
The golden thread ist ein bildgewaltiger Film, der tiefe Einblicke – auf unparteiische Art – in die mühsame Arbeit und den Alltag der Menschen in Kalkutta liefert.
Regie: Nishtha Jain


A Guilty Conscience
Der Film zeigt Dayo Wong in der Rolle eines Anwalts, der seinen moralischen Kompass verschiebt, um einer alleinerziehenden Mutter zu helfen, der ein Mord angehängt wird. Schafft er es, die Wahrheit ans Licht zu bringen und seiner verzweifelten Mandantin zu helfen? In Duelle von Verteidigung und Staatsanwaltschaft tragen sich bitterlich im Gerichtssaal aus.
Ein guter, solider Film, was zum grossen Teil der Humor ausmacht, welcher sich leider nur in der kantonesischen Originalsprache geniessen lässt. Empfehlenswert für Kinogänger, welche Gerichtsdramen und Komödie lieben.
Besetzung: Dayo Wong, Tse Kwan Ho, Louise Wong, Fish Liew, Michael Wong
Regie: Jack Ng


Heroico
Um einem Leben in Armut und Perspektivlosigkeit zu entkommen, bleibt jungen Männern in Mexiko oft nur die Arbeit in von Gewalt geprägten Strukturen, sei es illegal im Drogenhandel oder beim Militär. Da seine Mutter krank ist und teure Medikamente braucht, entscheidet sich der 18-jährige Luis mit indigenen Wurzeln für Letzteres, in der Hoffnung, sich eine bessere Zukunft zu sichern. An der traditionsreichen nationalen Militärakademie, dem Heroico Colegio Militar, erfährt er die ganze Härte einer Ausbildung, die auf bedingungslosen Gehorsam und das Brechen der Persönlichkeit aufbaut. Als er durch den sadistischen Sergeant Serra weitere Lektionen in Grausamkeit und kriminellen Machenschaften erhält, treibt ihn seine Zerrissenheit zwischen der Verantwortung für seine Mutter und seinen eigenen Werten an seine Grenzen.
David Zonana erzählt in Heroico über persönliche Erfahrungen als ehemaliger Kadetten. Trotz viel Gewalt, ein sehr eindrücklicher in knapp 90 minütiger Film, wo sich der Zuschauer die Frage stellt: Wenn man die Wahl hat zu töten oder getötet zu werden, Folterer oder Opfer zu sein, wie würden SIE wählen.
Besetzung: Santiago Sandoval Carbajal, Mónica del Carmen, Fernando Cuautle, Esteban Caicedo, Isabel Yudice
Besetzung: David Zonana


Hesitation Wound
Vierundzwanzig Stunden im Leben einer türkischen Anwältin (Canan), die nicht nur mit einem Mordfall, sondern auch mit ihren eigenen persönlichen Problemen zu kämpfen hat, offenbaren die verwickelte Beziehung zwischen individueller Moral und Rechtsstaatlichkeit. Diese intime Charakterstudie konzentriert sich ganz auf ihre Protagonistin, wirft aber auch weiterreichende Fragen nach heimtückischer Korruption und der scheinbar Unmöglichkeit echter Gerechtigkeit auf.
Ein wahrhaft filmisches Vergnügen unter 90 Minuten. Der Filmschnitt ist scharf, eindringlich und unterstreicht das hektische Tempo von Canans Leben, ihren verzweifelten Kampf um Veränderung. Gekonnt inszeniert, mit einer angemessen Wechsel der Raumatmosphäre. (klaustrophobisch)
Besetzung: Tülin Özen, Oğulcan Arman Uslu, Gülçin Kültür Şahin, Vedat Erincin, Erdem Şenocak
Regie: Selman Nacar


High & Low – John Galliano
John Galliano gilt als einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Modedesigner unserer Zeit. Bei Givenchy und Dior kleidete er fast 15 Jahre lang die schönsten und einflussreichsten Männer und Frauen der Welt ein. Er erfand die Modeindustrie neu, indem er seine Laufstegshows in immersive Fantasien verwandelte, und trug dazu bei, dass sich die Haute Couture von einer elitären Nische zu einem globalen Milliardengeschäft entwickelte. Wie bei jedem Genie, zeigen sich auch hier ihre Schattenseiten.
Gute Dokumentation mit überraschender Wendung. Es ist ein aufschlussreiches Porträt für Modebegeisterte und gleichzeitig eine Anklage gegen die moralisch zwiespältige Modeindustrie, die ihn unterstützt. Schlussendlich bleibt es unklar, ob John Galliano seinen Namen reinwaschen wollte oder ob es ihm wirklich leid tut. Viele Fragen bleiben unbeantwortet.
Besetzung: John Galliano, Naomi Campbell, Penélope Cruz, Kate Moss, Charlize Theron, Sydney Toledano, Amber Valletta, Anna Wintour
Regie: Kevin Macdonald


Hopeless
Im südkoreanischen Drama Hopeless verflechten sich die Geschichten mehrerer Personen auf schicksalhafte Weise miteinander, als ebenso gefährliche wie verzweifelte Menschen riskante Entscheidungen fällen, um der Hölle ihres bisherigen Lebens zu entfliehen. Yeon Gyu ist ein 17-jähriger Junge, der zu jung ist, um ein schwieriges Leben zu haben. Da er keine positiven Einflüsse in seinem Leben hat, zieht er sich meist zurück und hat niemanden, an den er sich wenden kann. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt tritt Yeon Gyu in sein Leben und bietet ihm ein Leben als Krimineller an. Leider vereinfacht dies das Leben nicht, sondern damit kommen andere Probleme auf.
Das junge Schauspielteam brilliert in ihren Rollen. Die Geschichte ist sehr spannend und dramatisch erzählt. Auch ein paar asiatische Verherrlichung der Gewaltszenen sind zu verzeichnen. Sehenswert mit einem Twist am Schluss.
Besetzung: Hong Xa-bin, Song Joong-ki, Kim Hyoung-seo
Regie: Chang-hoon Kim


How To Have Sex
Mit wilden Clubnächten, jeder Menge Drinks und heissen Partyspielen soll ihr gemeinsamer Sommerurlaub auf Kreta der beste ihres Lebens werden. Vor allem die 16-jährige Tara hat sich vorgenommen, die Zeit in vollen Zügen zu geniessen. Sie ist als einzige der drei Freundinnen noch Jungfrau – und das möchte sie unbedingt noch in diesem Sommer ändern… doch kaum betreten die Freundinnen die Partyviertel Malias, verflüchtigt sich die Harmonie.
Mit subtiler Finesse erforscht die Regisseurin, Molly Manning Walker, die ernste Frage des gegenseitigen Einverständnisses, ohne dabei auf Klischees des Erwachsenwerdens zurückzugreifen. Ein sehr kurzweiliger Film über Initiation, Freundschaft und die Grenzen, die man erst selbst noch für sich erkennen lernen muss. Mit toller Besetzung von Mia McKenna-Bruce.
Besetzung: Mia McKenna-Bruce, Shaun Thomas, Enva Lewis, Lara Peake, Samuel Bottomley, Laura Ambler
Regie: Molly Manning Walker


The Hypnosis
André und Vera sind ein junges Unternehmerpaar. Sie erhalten die Gelegenheit, ihre Gesundheits-App für Frauen bei einem renommierten Wettbewerb vorzustellen. Zuvor versucht Vera, sich mit Hypnotherapie das Rauchen abzugewöhnen. Ab diesem Zeitpunkt ändert sich ihre Einstellung und André beginnt, sich unerwartet zu verhalten.
Der Aufbau der ersten Hälfte war sehr witzig, frisch und verlangt nach mehr. Aber leider zieht der Film sich in die Länge und lässt an Spannung nach und man hofft auf eine baldige (Er)Lösung. Nichtsdestotrotz sehenswert. Skurril und sehr gewagt.
Besetzung: Asta Kamma August, Herbert Nordrum, Andrea Edwards, David Fukamachi Regnfors, Moa Nilsson, Simon Rajala
Regie: Ernst de Geer


In The Land of Saints And Sinners
Die Eröffnungssequenz: eine heftige Autobombe explodiert in Dublin, wo ein Kind ums Leben kommt. Die Geschichte erzählt in den 70er Jahren über die gewalttätige Geheimnisse, die irische Auftragskiller und IRA-Terroristen in der Kleinstadt Donegal heimsuchen. Finbar ( Liam Neeson ), ein Auftragskiller, der kurz vor der Pensionierung steht, begegnet zufällig einer IRA-Agentin, Doireann ( Kerry Condon, bekannt aus The Banshees of Inisherin ), die sich in Finbars Dorf versteckt
Glücklicherweise kein gewöhnlicher Neeson-Thriller. Die irische Küstenlandschaft ist ein bezauberndes Stückchen Erde voller wilder Schönheit. Diese raue Schönheit verleiht dem Setting “Saints and Sinners” einen unvergesslich lebendigen Charakter – auch wenn darin am Ende einzig der Tod wartet. Starke Besetzung mit einer hervorragende Schauspielleistung von Kerry Condon.
Besetzung: Liam Neeson, Kerry Condon, Jack Gleeson, Colm Meaney, Ciarán Hinds, Sarah Greene
Regie: Robert Lorenz


Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste
Dieser Film zeigt die Beziehung zwischen der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann und den Autor Max Frisch.
Eine äusserst toxische Beziehung, welche auf Hass Liebe basiert. Da Max Frisch stets durch seine Eifersucht getrieben wird, kommt es mit der wunderschönen und intelligente Frau Bachmann, mehrfach zu Konflikten. Eine ewige On/Off Beziehung.
Mir hat der Dialog – insbesondere – von Ingeborg Bachmann überaus gut gefallen. Sie hat sich sehr gepflegt und adrett ausgedrückt. Sie war sehr offen für ihre Zeit, sehr wagemutig und neugierig, wodurch die Figur auf mich sehr interessant gewirkt hat. Ein sehr kurzweiliger Film.
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Besetzung: Vicky Krieps, Luna Wedler, Ronald Zehrfeld, Tobias Resch, Basil Eidenbenz, Marc Limpach
Regie: Margarethe von Trotta


Jeong-Sun
Jeong-sun arbeitet in einer Lebensmittelfabrik und lebt ihr bescheidenes Leben. Als ein Fabrikkollege sie anspricht und sie sich näher kommen, geniessen sie ihre heimliche Beziehung, und er macht mit seiner Handykamera Schnappschüsse im Bett. Ohne Überlegung und der Konsequenzen bedacht, stellt er kurzerhand das Video online. Aus Scham verkriecht sich Jeong Sun und verlässt nicht mehr das Haus, um das Gespött und Gelächter zu entgehen. Es scheint so, als sei der Film, wie die Hauptfigur, in einen Zustand der Lähmung geraten. Doch dann bricht ein reinigender Zornesausbruch durch, mit einer grandiosen Konfrontationsszene, in der Jeong Sun heldenhaft zurückschlägt.
Eine sehr gelungene Filmdebüt Jihye Jeong. In leisen Tönen erzählt ist es vor allem die umwerfende Performance der Hauptdarstellerin des Films, die Jeong-sun zu einem absoluten Must-See des diesjährigen Festivals macht.
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Claire Foy, Andrea Riseborough, Toby Jones, Sharon Rooney
Regie: Will Sharpe


Killers Of The Flower Moon
In den 1920er-Jahren werden Mitglieder des indianischen Stammes der Osage im Bundesstaat Oklahoma ermordet, nachdem auf ihrem Land Öl gefunden worden ist. Das löst eine gross angelegte Untersuchung einer völlig neuen Polizeieinheit, dem FBI, aus. Tom White, ein ehemaliger Texas Ranger und Gesetzeshüter der alten Schule, leitet die Ermittlungen für die neue Bundesbehörde und stösst bald in ein Wespennest aus Korruption und Mord.
Starke Schauspieler, grossartige Kameraführung und eine starke Geschichte machen den Film, trotz seines langsamen Tempos und seiner extremen Länge, zu einem fesselnden Filmerlebnis.
Besetzung: Leonardo DiCaprio, Robert De Niro, Jesse Plemons, Brendan Fraser, Lily Gladstone
Regie: Martin Scorsese


Killing Romance
Hwang Yeo-Rae (Lee Ha-Nee) ist eine beliebte Schauspielerin, wird aber oft wegen ihrer schlechten schauspielerischen Fähigkeiten verspottet. Auf einer Reise zu einer Insel im Südpazifik lernt sie Johnathan Na (Lee Sun-Kyun) kennen, der sehr reich ist. Schließlich heiratet sie ihn und kündigt ihren Rückzug aus der Unterhaltungsbranche an. In der Zwischenzeit hat Kim Beom-Woo (Gong Myung) 4 Jahre lang studiert, um an der Universität von Seoul zu studieren. Er erfährt, dass seine Lieblingsschauspielerin Hwang Yeo-Rae in seine Nachbarschaft gezogen ist. Endlich hat er die Gelegenheit, sie kennenzulernen und verbringt Zeit mit ihr. Hwang Yeo-Rae ist mit ihrer Ehe nicht glücklich. Sie will zurück in ihr Leben als Schauspielerin und hat ein Angebot erhalten, in einem Film mitzuspielen, aber ihr Mann Jonathan Na ist strikt dagegen. Hwang Yeo-Raes Leben scheint glamourös zu sein, aber in Wirklichkeit ist sie eine Gefangene in ihrem goldenen Käfig. Sie will ihr altes Leben zurück und wendet sich an Kim Beom-Woo, der ihr helfen soll. Sie schmieden einen Plan, um Johnathan Na zu töten.
Kurz und bündig: Slapstick hoch zwei. Ein asiatischer und musikalischer Blödelfilm mit zu viel Gesang. Total überdreht, wenn man diese Genre an Filmen liebt, ist hier an der richtigen Adresse. Die Meinungen könnten bei diesem Film nicht unterschiedlicher ausfallen…
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Besetzung: Lee Ha-nee, Lee Sun-kyun, Gong Myoung
Regie: Lee Won-suk


A Little Prayer
Der Vietnam-Veteran Bill lebt mit seiner Frau Venida in einem Vorort in den US-Südstaaten und führt gemeinsam mit seinem Sohn David das Familienunternehmen. Eine Geschichte über traditioneller Haushalt – Frauen, die ihren Männern das Mittagessen kochen, sind ein Hinweis darauf -, aber auch ein enger Zusammenhalt, der darauf beruht, miteinander auszukommen und aufeinander aufzupassen. Als Bill im Büro eine ungewöhnliche Intimität zwischen seinem Sohn und der gemeinsamen Sekretärin Narcedalia bemerkt, zählt er zwei und zwei zusammen und konfrontiert David in der Fabrikhalle damit, nur um eine abschlägige Antwort zu erhalten.
Dieser Film wird einzig und allein von den zwei Schauspielern, Strathairn und Levy, getragen. Sie beide sind das Herzstück der Geschichte. Das Drehbuch ist ehrlich und erinnert ein bisschen an ein Theaterstück, mit starken Dialogen.
Besetzung: David Strathairn, Jane Levy, Dascha Polanco, Will Pullen, Anna Camp, Celia Weston
Regie: Angus MacLachlan


Los Delincuentes
Trister Büroalltag in Buenos Aires: Román und Morán sind Angestellte einer Bankfiliale und haben ihre Routinen satt. Morán hat einen Plan: Er wird der Bank genau so viel Geld stehlen, wie sie bis zur Rente an Lohn erhalten würden. Dafür würde er für drei Jahre ins Gefängnis wandern, während Román die Beute an einem bestimmten Ort versteckt soll. Doch so genial ihr Plan in Theorie erscheint, so viele Tücken birgt er mit sich.
Die Geschichte liefert interessanten Filmstoff und er beginnt auch viel versprechend, mit viele unabsehbare Zufälle. Aber sind 3 Stunden berechtigt? Nein! Darum halte ich mich kurz und prägnant: der Film ist furchtbar langweilig, weil er unnötig lang ist und meiner Meinung nach auch zu wenig aussagt.
Besetzung: Daniel Elias, Esteban Bigliardi, Margarita Molfino, German De Silva, Laura Paredes
Regie: Rodrigo Moreno


Maestro
Regisseur und Hauptdarsteller Bradley Cooper spielt Leonard Bernstein als einen sich verströmenden, liebenden, witzigen, leidenschaftlichen, vor Esprit und Menschenliebe übersprudelnden, aber auch tiefsinnigen und philosophierenden Künstler und Mensch, der die Menschen ebenso liebt wie die Musik – und beides nahezu bedingungslos. Bernstein war durchdrungen von Musik und von der Liebe zu seiner Ehefrau Felicia. Diese Liebesgeschichte steht im Zentrum des Films – und sie macht Felicia (Carey Mulligan) zur zweiten Hauptprotagonistin. Es ist eine tiefe Liebe und Wahlverwandtschaft, die beide füreinander empfunden haben und die auch über Lennys homoerotische Eskapaden hinweg Bestand hatte. Natürlich nicht ohne Verletzungen und Verstörungen, die sich auch auf die Kinder übertragen haben. Bernsteins fluide Sexualität wird von Cooper aber nicht effektheischend ausgestellt, sondern mit grösstmöglicher Natürlichkeit und Authentizität gezeigt.
Was den Film zudem sehr positiv von vielen anderen Künstlerfilmen abhebt, sind die witzigen und spontan wirkenden Dialoge sowie die Kameraführung, die immer wieder für aussergewöhnliche und suggestive Optiken und Einstellungen sorgt.
Besetzung: Carey Mulligan, Bradley Cooper, Matt Bomer, Maya Hawke, Sarah Silverman
Regie: Bradley Cooper


May December
Die berühmte Hollywood-Schauspielerin Elizabeth Berry (Natalie Portman) führt in Vorbereitung auf ihre nächste Rolle nach Savannah, Georgia. Hier will sie Gracie Atherton-Yoo (Julianne Moore) und ihre Familie treffen, um so Material für den kommenden Film zu sammeln und sich auf die bevorstehende Rolle vorzubereiten. Gracie nimmt den Star mit offenen Armen bei sich auf, auch wenn nicht alle Mitglieder ihrer Familie davon angetan sind. Gracies 23 Jahre jüngerer Ehemann Joe und die Kinder Charlie sind nicht sicher, ob Elizabeth gekommen ist, um sie blosszustellen oder Geheimnisse ans Licht zu zerren. Doch je länger der Gast in ihrem Haus ist, desto angespannter wird die Situation.
Mir hat der Film sehr gut gefallen, insbesondere die Atmosphäre und die unheimliche Beziehung zwischen Portman und Moore. Es ist alles andere als eine Freundschaft. Auch sehr interessant: Untypisch Portman in einer «Bitch-Rolle» zu sehen. Aber auch äusserst erfrischend. Dies wird besonders von der hervorragende Schauspielkunst der zwei Protagonisten unterbreitet. Zwei Frauen, die sich erbarmungslos belauern, belauschen, belügen und benutzen.
Besetzung: Natalie Portman, Julianne Moore, Charles Melton, Cory Michael Smith, Piper Curda, Elizabeth Yu
Regie: Todd Haynes


Melk
Dieser Film widmet sich der tiefgreifenden Bedeutung der Muttermilchproduktion. Wenn dieser Prozess jedoch durch eine Stillgeburt überflüssig wird, kann unerwartete Fragen aufkommen. Robin und ihr Mann Jonas durchleben tiefe Trauer nach der Stillgeburt ihres Kindes. Als konstante und verwirrende Erinnerung an den Verlust und die vitale Aufgabe der Mutterschaft, ringt Robin mit ihrer anhaltenden Milchproduktion. Eine Hebamme leitet sie beim Abpumpen an, einer Routine, die helfen soll, den Prozess auf natürliche Weise zu beenden, doch das Wegschütten der Milch erweist sich als emotional belastend und sie denkt an andere Mütter in Not, welche froh über Muttermilch wären. Ein edler Gedanke, wobei hier die bürokratische Hürden vergessen geht, welche eine Spende unmöglich macht. So wird Robin gezwungen in eigener Recherche nach Empfängerinnen zu suchen.
Sehr interessant finde ich die Auswahl des Themas. Mit einer minimalistischen Bild-und Tonsprache ist ein Film entstanden, welche keine übliche Thematik behandelt und dadurch auf unbekannte Problematik stösst. Interessant, jedoch wohl nicht für das breite Publikum gedacht.
Besetzung: Frieda Barnhard, Aleksey Ovsyannikov, Ruth Sahertian, Jules Elting, Murat Toker, Arnoud Bos, Zineb Fallouk, Wimie Wilhelm
Regie: Stefanie Kolk


Memory
Die alleinerziehende Mutter Sylvia arbeitet als Sozialarbeiterin. Neben ihrer Tochter und ihrem Job kreist sich ihr Leben um die Anonymen-Alkoholiker-Treffen, die sie besucht. Als sie an einem High-School-Treffen teilnimmt, folgt ihr Saul nach Hause. Sie versuchen miteinander eine Beziehung aufzubauen. Das ineinander verliebte Pärchen muss dabei gegen Traumata aus der Vergangenheit und die Krankheit Demenz ankämpfen.
Michel Franco geht unbarmherzig mit seinen Hauptfiguren um. Die wenigen Glücksmomente werden jäh zerstört, sobald der Zuschauer sich im Glauben wiegt, durchatmen zu können und schon lassen Katastrophen die gewohnte Ordnung aus den Fugen geraten und was bleibt sind die zertrümmerten Reste der Einzelteile. Die Filmbesetzung grandios.
Besetzung: Jessica Chastain, Peter Sarsgaard, Merritt Wever, Peter Sarsgaard, Brooke Timber, Elsie Fisher, Jessica Harper, Josh Charles
Regie: Michel Franco


Mimang
Im Spielfilmdebüt des in Seoul lebenden Filmemachers Kim Taeyang beobachtet die Kamera in drei Teilen die Veränderungen in Zeit, Raum und Charakteren, die den oben genannten Definitionen entsprechen. Der Film fängt die Veränderungen der drei Erzählungen auf ihren Erinnerungspfad ein.
Da die Regisseurin Kim Taeyang nie genug Informationen freigibt, um die Emotionen in ihrer ganzen Tiefe zu zeigen, verflacht er die Perspektive des Films, so dass ich das Gefühl habe, das Leben der Figuren auf ein paar Stunden beschränkt werden. Sie erhalten zu wenig Luft und Raum. Nichtsdestotrotz gelingt es Mimang, Gefühle der Erinnerung und der Sehnsucht nach einem Ort und Menschen zu wecken, die wir nicht kennen. Sehr kunstvoll in eine nostalgische und emotionale Wirkung eingewoben.
Besetzung: Lee Myungha, Ha Seongguk, Park Bongjun, Baek Seungjin, Jung Suji
Regie: Taeyang Kim


Nyad
Der Film erzählt die beeindruckende Geschichte von der US-amerikanischen Langstreckenschwimmerin Diana Nyad, die mit 28 Jahre daran gescheiterte, von Florida nach Kuba zu schwimmen. Mit 61 Jahre will sie es nochmals wissen und stellt ein Team zusammen. Die Beziehung zwischen Diana Nyad und Bonnie Stoll ist mitreissend. Nyad ist ein aussergewöhnlicher Mensch, aber auch kein einfacher Charakter.
Beide Schauspieler glänzen mit ihrer Leistung, neben Bening als Diana Nyad und Jodie Foster als ihre Freundin Bonnie Stoll und Rhys Ifans als Nyads Navigator John Bartlett, der sie durch die Tücken des Wetters und des Golfstroms lotst. Es erzählt eine Geschichte über Teamwork und dass es nie zu spät ist, um sich seine Träume zu erfüllen!
Besetzung: Annette Bening, Jodie Foster, Rhys Ifans
Regie: Elizabeth Chai Vasarhelyi, Jimmy Chin


The Palace
Jedes Jahr aufs Neue empfängt das luxuriöse Palace Hotel zum Jahreswechsel wohlhabende und verwöhnte Gäste aus aller Welt in der märchenhaften Atmosphäre eines Schlosses, welches mitten in einem schneebedeckten Tal in der Schweiz liegt. Auch am Vorabend des Jahres 2000 haben sich zahlreiche Gäste zu einem unwiederholbaren Ereignis im titelgebenden Palace Hotel versammelt. Eine Schar von Kellnern, Trägern, Köchen und Rezeptionisten kümmert sich um deren Bedürfnisse und die Vorbereitung ist im vollen Gange. Vor der Ankunft der Gäste weist der engagierte fünfzigjährige Manager Hansueli das Personal zurecht. Zwar stehe der Beginn des neuen Jahrtausends bevor, jedoch nicht das Ende der Welt.
Anders als die Filmkritiker, welche durchwegs den Film negativ beurteilten, ist meine Meinung sehr gegenteilig. Herrn Polanski ist eine wunderbar, schwarze Komödie gelungen. Lustig, unterhaltsam, urkomisch, mit viel Augenzwinkern – und dies in einer passenden Filmlänge von 100 Minuten.
Besetzung: Oliver Masucci, Fanny Ardant, John Cleese, Bronwyn James, Joaquim De Almeida, Luca Barbareschi, Milan Peschel, Fortunato Cerlino, Mickey Rourke
Regie: Roman Polanski


Partners
Dieser Dokumentarfilm ist aus viele, definierte, kleine fotografische Genres neu entstanden. Claude erzählt aus seiner Afghanistan Reise im 2002 mit abenteuerliche Kurzvideos und Bilder und zeigt seine Reise von/bis Kabul auf. Zu der Zeit der internationale Koalition. Dieser Erfindungsreichtum machte ihn als Verfechter der „neuen Berichterstattung“ bekannt und brachte ihm 2002 den Eidgenössischen Preis für angewandte Kunst und 2006 den Grand Prix Images ein..
Unglaublich gut gemachter Dokumentar Film vom Westschweizer Claude Baerchtold. Sehr authentisch und mit viel Witz und Charme erzählt. Die Lockerheit überzeugt bei einem sehr ernsten Thema und man merkt die Unbefangenheit und vielleicht ebenfalls die Naivität der Tugend. Aber sehr empfehlenswert.
Besetzung: Serge Michel, Paolo Woods, Claude Baechtold
Regie: Claude Baechtold


Passages
Es geht um zwei Männer, Thomas und Martin, die seit 15 Jahren zusammen sind und was passiert, wenn einer von ihnen eine Affäre mit einer Frau hat. Doch als Martin selbst eine Affäre beginnt, muss der exzentrische Thomas Entscheidungen treffen, auf die er womöglich nicht vorbereitet ist.
Dank der hervorragende Leistung von Franz Rogowski wurde der Film weniger anstrengend. Ebenso unbarmherzig werden die Figuren durchleuchtet und nehmen den Zuschauer mit auf ihren Leidensweg. Kein aussergewöhnlicher Film, hinterlässt jedoch einen bleibenden Eindruck.
Besetzung: Franz Rogowski, Ben Whishaw, Adèle Exarchopoulos, Erwan Kepoa Fale
Regie: Ira Sachs


Perdidos En La Noche
Fünf Jahre nach dem Verschwinden seiner Mutter (einer Aktivistin, die gegen ein Bergbauunternehmen kämpfte), macht sich Emiliano auf die Suche nach den Schuldigen. Sein Durst nach Rache und Gerechtigkeit führt ihn in die Welt gewalttätiger und korrupter Charaktere und lässt ihn seine eigenen Grenzen hinterfragen.
Amat Escalante, einer der angesehensten Regisseure in Lateinamerikas, kehrt mit einem atemlosen Psychothriller zurück, der die strukturelle Klassengewalt in Mexiko schonungslos aufzeigt.
Besetzung: Juan Daniel García Treviño, Ester Expósito, Bárbara Mori, Fernando Bonilla, Jero Medina, Vicky Araico, Mayra Hermosillo, Maria Fernanda Osio
Regie: Amat Escalante


Perfect Days
Jeden Tag wacht Hirayama, ein wortkarger Mann um die 60, in seiner spartanischen Wohnung im zögerlichen grauen Licht der Morgendämmerung auf. Er zieht seinen Overall an, holt sich eine Dose Kaffee aus einem Strassenautomaten und macht sich in seinem bescheidenen kleinen Lieferwagen auf den Weg, um fleissig die öffentlichen Toiletten von Tokio zu reinigen.
Er führt ein einsames Leben und schweigt tagelang oder wechselt nicht mehr als ein paar flüchtige Worte. Für die Öffentlichkeit ist er meist unsichtbar – bestenfalls eine Unannehmlichkeit. Aber Hirayama betrachtet die Welt mit seinen Augen und sieht mit seinem Herzen.
Der Film fängt Hirayamas Verbundenheit mit der Natur auf wunderbare Weise ein und hebt die Perfektion winziger, scheinbar unbedeutender Details hervor. Es gibt ein japanisches Wort, „komorebi“, das „Sonnenlicht, das durch die Bäume sickert“ bedeutet. Es verweist auf diese tiefe Verbindung und auf die Notwendigkeit, innezuhalten, die einfachen Momente des Lebens aufzunehmen und zu schätzen.
Sogar die öffentlichen Toiletten, die eigentlich einen bescheidenen Zweck erfüllen, werden in seinen Augen zu architektonischen Juwelen.
Wim Wenders ist durch minimalistisches Filmemachen ein Meisterwerk gelungen. Ein Film der von stiller Erkundung der Schönheit in der Umgebung lebt. Ein Hommage an die 60/70er Musikstil aus dem Kassettenrekorder. Ich finde den Film sehr lebensbejahend. Manch einer könnte die Trägheit des Filmflusses als störend empfinden.
Besetzung: Koji Yakusho, Min Tanaka, Yumi Asô, Tokio Emoto, Sayuri Ishikawa
Regie: Wim Wenders


Pete Doherty: Stranger In My Own Skin
Dokumentarfilm über das Leben des britischen Rockstars Peter Doherty und seinen Kampf gegen die Sucht nach harten Drogen: Die Regisseurin und Musikerin Katia deVidas, die auch die Lebensgefährtin von Peter Doherty ist, hat über einen Zeitraum von zehn Jahren mit dem Künstler gedreht. Daraus entstandene Material diente als Grundlage für diesen Film, der den Abstieg des Sängers und Songwriters der Band Libertines in die Hölle dokumentiert, während seine Popularität einen neuen Höhepunkt erreichte. Mit den Worten und Emotionen, die dem Künstler eigen sind, erfahren wir mehr vom Kampf des Sängers mit seinen inneren Dämonen.
In vielen Szenen herrscht pures Chaos. Mal wird Doherty in einem zugemüllten Haus voller antiquarischer Möbel gezeigt, wie er sich selbst und ein paar Katzen mit Fisch füttert. Mal in seiner Pariser WG – Schallplatten und Kreuze an der Wand -, nachdem er einen Flug nach Thailand verpasst hat, wo er einen weiteren Entzug beginnen sollte.
Ein sehr sehenswerter Dokumentarfilm. Kurzweilig und interessant, mit vielen Szenen von Konzertauftritten der verschiedenen Bands. Seit 2019 sei er clean, sagt Doherty und lebt mit Ehefrau deVidas in der Normandie. Er hat dort ein Atelier und arbeitet weiterhin als Musiker.
Besetzung: Peter Doherty
Regie: Katia deVidas


Poor Things
Der Film “Poor Things” von Regisseur Yorgos Lanthimos wurde mit Spannung erwartet und hat die Erwartungen erfüllt. Diese Science-Fiction-Komödie ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch visuell kunstvoll gestaltet und hat eine tiefere Botschaft.
In “Poor Things” arbeitet Max McCandles (gespielt von Ramy Youssef) als Assistent für den brillanten, aber exzentrischen Wissenschaftler Dr. Godwin Baxter (Willem Dafoe). Dort trifft er auf Bella (Emma Stone), eine junge Frau, deren Hintergrund ungewöhnlich ist: Ihr Körper gehört Victoria Blessington, die sich das Leben genommen hat, während ihr Gehirn von ihrem ungeborenen Kind stammt, das Baxter in ihren Körper eingepflanzt hat. Der Film spielt im London des 19. Jahrhunderts, das von Lanthimos in eine Steampunk-Version verwandelt wurde. Die visuellen Effekte sind künstlerisch und surreal, ähnlich den Werken von Wes Anderson, jedoch mit einer morbiden Note. Die Frankenstein-Thematik wird hier aufgegriffen, wenn der Wissenschaftler Körper miteinander kreuzt und Gott spielt.
Insgesamt ist der Film ein berauschendes und verstörendes Meisterwerk, welche verstörende Bilder mit Kakophonie untermalt wird, das zum Nachdenken anregt. «Poor Things» ist ein durchgeknalltes, bombastisches Kinoerlebnis, mit einer Topbesatzung!
Besetzung: Emma Stone, Willem Dafoe, Margaret Qualley, Mark Ruffalo, Ramy Youssef, Christopher Abbot
Regie: Yorgos Lanthimos


Priscilla
Die Geschichte spielt in Bad Nauheim, 1959, auf einer US Air Base. Ein fremder Mann spricht die junge Priscilla Beaulieu (gespielt von Cailee Spaeny) an und fragt, ob sie Elvis Presley (dargestellt von Jacob Elordi) kennenlernen möchte. Priscilla, die schon lange ein Fan des Superstars ist, willigt ein. Die beiden Seelenverwandten treffen sich immer wieder, auch nach Elvis’ Rückkehr in die USA. Schließlich zieht Priscilla in seine legendäre Villa “Graceland”, wo sie ihren Highschool-Abschluss macht. Doch das Leben an der Seite des Superstars ist nicht nur glamourös. Priscilla muss mit den Schattenseiten einer schwierigen Beziehung umgehen, die von Einsamkeit geprägt ist.
Gute Erzählung von Sophia Coppola aus der Sicht von Priscilla. Da die Musik von Elvis Presley verboten wurde, die Musik von Sophia Coppola`s Mann verwendet. Im gleichen Stil nicht minder schlecht. Die ganze Story erscheint mir ein bisschen abgeschnitten und beleuchtet ein Lebensabschnitt im Zeitraffer. Besonders einfühlsam wird das Machtgefälle zwischen den beiden Hauptfiguren dargestellt und dass Priscilla als Knetfigur ihrer Freiheit beraubt wird. Hervorheben möchte ich die junge Schauspielerin Cailee Spaeny.
Besetzung: Cailee Spaeny, Jacob Elordi, Dagmara Dominczyk
Regie: Sofia Coppola


The Promised Land
Der Film basiert auf dem 2020 erschienenen Bestseller Der Kapitän und Ann Barbara von Ida Jessen, der seinerseits auf einer wahren Geschichte aus der dänischen Geschichte über den pensionierten Hauptmann und Landwirt Ludwig von Kahlen aus dem 18. Jahrhundert.
Er erhielt die königliche Erlaubnis, die gesetzlose und trostlose jütländische Heide zu kultivieren, ein theoretisch lukratives Abenteuer, das nur die Hartgesottensten und Fanatiker belohnen würde. Es gibt so viele verschiedene Kapitel des zentralen Konflikts, dass die finale Konfrontation unvermeidlich und von daher vorhersehbar ist. Dennoch gibt es unerwartete Situationen, und der Film nimmt sich Zeit, den Freiraum für die Entwicklung der Charaktere und die emotionale Bindung zu ermöglichen.
Ein spannendes historisches Drama, das auf visueller, intellektueller und emotionaler Ebene funktioniert und in eine Welt eintauchen lässt. Der Film zeigt eine klassische Geschichte über den Kampf zwischen Mut und Privilegien. Mads Mikkelsen mit einer Top-Leistung.
Besetzung: Mads Mikkelsen, Amanda Collin, Simon Bennebjerg, Kristine Kujath Thorp, Gustav Lindh
Regie: Nikolaj Arcel


La Ravissement
Lydia, eine Hebamme, die sich sehr für ihre Arbeit engagiert, steckt mitten in einer gescheiterten Beziehung. Zur gleichen Zeit erzählt ihr ihre beste Freundin Salomé, dass sie schwanger ist und bittet sie, über ihre Schwangerschaft zu wachen. Als Lydia ihrem One-Night-Stand Milos wieder begegnet und das Baby ihrer Freundin in den Armen hält, verstrickt sie sich in eine Lüge und riskiert, alles zu verlieren.
Am Anhang kommt der Film sehr langatmig daher. Alles wirkt zähflüssig, so dass ich meine Entscheidung, diesen Film zu sehen, bereits bereut habe. Doch plötzlich ändert er sich, wird interessanter und eine veritable Katastrophe bahnt sich an. Allgemein zeichnet sich der Film durch eine starke Kamera aus: Durch Nahaufnahmen der Charaktere, der Geburt usw. Den ganzen Film hindurch hat man ein beklemmendes Gefühl und der Film ist alles andere als ein «Feel-Good» Movie.
Besetzung: Hafsia Herzi, Alexis Manenti, Nina Meurisse, Younes Boucif
Regie: Iris Kaltenbäck


The Red Suitcase
Ein Pick-up-Fahrer verlässt den Flughafen von Kathmandu, um eine zweitägige Fahrt mit einer Lieferung in ein abgelegenes Bergdorf anzutreten. Auf der Landstrasse macht sich eine einsame Gestalt mit einem kleinen roten Koffer langsam auf den Weg zu demselben Dorf. Die Hauptfigur, der Fahrer, ist zwar in seinen Problemen versunken, versucht aber, seine Arbeit zu erledigen. Entlang der scheinbar unendlich weiten Strassen tragen sich mysteriöse Ereignisse zu, welche in direktem Zusammenhang mit der Lieferung stehen könnten.
Der Film ist wunderschön gefilmt. Jedoch passiert in diesen 1:27 Stunden nicht viel. Die Geschichte gleicht einer traurigen Poesie und die Darstellung, wie manche Menschen mit Verlusten umgehen. Wunderschön anzuschauen und sehr atmosphärisch. Feinfühlig und zurückhaltend erzählt.
Besetzung: Saugat Malla, Prabin Khatiwada, Shristi Shrestha, Bipin Karki, Sonam Lama, Anju Deuja, B. Bishowkarma
Regie: Fidel Devkota


Saltburn
Der Student Oliver Quick (Barry Keoghan) kämpft darum, seinen Platz an der Universität Oxford zu finden, und wird in die Welt des charmanten und aristokratischen Felix Catton (Jacob Elordi) hineingezogen, der ihn für einen unvergesslichen Sommer nach Saltburn, dem weitläufigen Anwesen seiner exzentrischen Familie, einlädt.
Ein starker, atmosphärischer Meisterwerk von der oscarprämierte Filmemacherin Emerald Fennell (Promising Young Woman). Sie präsentiert uns eine verruchte Geschichte über Privilegien und Begehren. Daraus wurde ein atmosphärischer und verstörender Film (Badewanne Szene), wo ein hervorragender Barry Keoghan zu sehen ist.
Besetzung: Barry Keoghan, Jacob Elordi, Rosamund Pike, Carey Mulligan, Richard E. Grant, Alison Oliver, Archie Madekwe
Regie: Emerald Fennell


A Silent Story
Der 6-jährige Anders und der 13-jährige Peter sind beste Freunde. Ihre Familien fahren jedes Jahr gemeinsam in die Sommerferien. Doch hinter der Freundschaft steckt ein dunkles Geheimnis: Peter missbraucht Anders immer wieder sexuell.
In dieser sehr persönlicher Dokumentarfilm teilt der dänische Regisseur, Anders Skovbjerg Jepsen, mit dem Filmpublikum seine eigenen, verletzlichsten Erfahrungen. Anders Skovbjerg Jepsen sucht seinen Kindheitsfreund auf. Zögernd stimmt Peter einem Treffen zu, und gemeinsam kehren sie in die verdrängte Vergangenheit zurück. Ein zutiefst ergreifender und mutiger Film über ein – immer noch – absolutes Tabuthema. Sehr gut umgesetzt und mir war während der ganzen Filmdauer nie langweilig.
Regie: Anders Skovbjerg Jepsen


Stella. Ein Leben.
Stella, eine junge, deutsche Jüdin, wächst während der Herrschaft des NS Regimes in Berlin auf. Sie träumt von einer Karriere als Jazz-Sängerin, trotz aller Repressalien. Als sie 1944 zusammen mit ihren Eltern untertauchen muss, verwandelt sich ihr Leben in eine schuldhafte Tragödie. Durch einen Verrat wird sie von der Gestapo gefasst, gefoltert und zur „Greiferin“: Um sich und ihre Eltern vor der Deportation nach Auschwitz zu bewahren, beginnt Stella, systematisch andere Juden zu verraten. Von September 1943 bis Kriegsende lieferte Stella Goldschlag hunderte jüdische Mitbürger an die Gestapo.
Trotz der ernsten Themenwahl, habe ich das Gefühl, dass die weite Strecken trockene Aneinanderreihung von Szenen, dem Film etwas die Seele raubt. Meiner Meinung nach, hätte aus dem Leben der Stella Goldschlag ein komplexer, vielschichtiger Film über moralische Ambivalenzen werden können. Nichtsdestotrotz sehr eindrücklich, sehenswert und kurzweilig.
Besetzung: Paula Beer, Joel Basman, Jannis Niewöhner, Katja Riemann
Regie: Kilian Riedhof


Stolen
Ein Baby wird in der Bahnhofshalle entführt, worauf sich zwei privilegierte Brüder aus der Grossstadt sich unwissentlich auf ein erschütterndes Abenteuer einlassen, um einer jungen Frau ihr Baby wiederzufinden. Einen Augenöffner über die alarmierende Zahl von Kindesentführungen in Indien der letzten Jahren, insbesondere in den ländlichen Gebieten.
Das Spielfilmdebüt „Stolen“ von Regisseur Karan Tejpal ist ein sehr spannender Thriller der anderen Art. Der Film zeigt die indische Gesellschaft auf und packt dies geschickt in die Geschichte ein. Der Zuschauer findet sich in Szenen, welche durcheinander geredet wird, das reine Chaos zwischen den Menschengruppen herrscht, es ist laut, chaotisch und Mitten drin die Machtpersonen in Form von Polizisten.
Besetzung: Abhishek Banerjee, Shubham, Mia Maelzer, Harish Khanna, Sahidur Rahaman
Regie: Karan Tejpal


A Storm Foretold – Roger Stone And Die
Der dänische Regisseur Christoffer Guldbrandsen wollte herausfinden, was Donald Trump an der Macht hält, und landete schliesslich bei seinem langjährigen Berater – dem umstrittenen Roger Stone. Er begann diesen Provokateur mit einer riesigen Zigarre mitten in Trumps Amtszeit zu filmen. Er war dabei, als Stone hinter den Kulissen die Fäden zog und sich sogar direkt in die Wahlergebnisse 2020 einmischte. Einige Male sah es so aus, als würde der Regisseur seinen Film nicht zu Ende bringen können, aber am Ende konnte er die ganze Geschichte erzählen, wie rhetorische Äusserungen in physische Gewalt umschlugen und warum Trump’s Niederlage bei den Präsidentschaftswahl mit dem Sturm des Kapitols endete.
Mit Trumps langjährigen Berater und Vertrauensperson Roger Stone als Hauptdarsteller dokumentiert der Film die Ereignisse von Trumps Präsidentschaftszeit bis zur Gewalteskalation im Kapitol. Die meisten Zuschauer werden bereits wissen, was als Nächstes geschah, aber das macht den Film nicht weniger spannend. Man sitzt im Kino und kann nur ungläubig den Kopf schütteln über den Charakter und die Einstellung der Personen im Umfeld Trumps.
Regie: Christoffer Guldbrandsen


Tatami
Die iranische Judoka Leila Husseini reist gemeinsam mit ihrer Trainerin Maryam zu den Judo-Weltmeisterschaften. Ihr Ziel: die erste Goldmedaille für den Iran nach Hause bringen. Während des Wettbewerbs stellt das Teheraner Regime die junge Frau jedoch vor ein Ultimatum. Sie muss sich entscheiden, ob sie sich dem Regime gegenüber ergibt und ihre Träume in den Sand setzt oder ob sie sich widersetzt und weiterkämpft. Eine Entscheidung, bei der die Freiheit ihrer ganzen Familie auf dem Spiel steht.
Der Film ( Regie führten Guy Nattiv und Zar Amir Ebrahimi ) ist von einem tatsächlichen Ereignis inspiriert, das sich 2018 in der Nippon-Budokan-Arena in Tokio zugetragen hat. Der iranische Judoka Saeid Mollaei, der bei der Weltmeisterschaft für die Nationalmannschaft seines Landes antrat, wurde von seinen Betreuern angewiesen, eine Verletzung vorzutäuschen, um sich so keinem israelischen Judoka stellen zu müssen. Auch wenn Mollaei bislang derlei Anweisungen befolgte, weigerte er sich dieses Mal, kämpfte trotzdem und lief über. Der Film erzählt die Geschichte noch einmal, allerdings mit einer Protagonistin. Ein sehr spannender Dokumentarfilm mit sehr starke Frauenfiguren.
Besetzung: Zar Amir, Arienne Mandi, Jaime Ray Newman, Ash Goldeh, Nadine Marshall, Lir Katz, Valeriu Andriuta, Mehdi Bajestani, Farima Habashizadehasl
Regie: Guy Nattiv, Zar Amir


Terrestrial Verses
Terrestrial Verses begleitet Menschen aus allen Gesellschaftsschichten dabei, wie sie sich mit den kulturellen, religiösen und institutionellen Zwängen auseinandersetzen, die ihnen von verschiedenen gesellschaftlichen Autoritäten auferlegt werden – von Lehrern bis hin zu Bürokraten. Ein Film über das Leben der Menschen in Iran, ihre Entschlossenheit inmitten von Widrigkeiten.
Das iranische Regie-Duo Alireza Khatami und Ali Asgari erzählt von neun Menschen, die sich mit nervenaufreibendem Eifer konfrontiert sehen. Angesiedelt im Iran, ist der Film thematisch universell: Er dreht sich um den Wunsch, die Kontrolle über das eigene Leben wiederzuerlangen angesichts von Einmischung durch Bürokraten oder andere Autoritäten aller Art. «Terrestrial Verses» ist ein bewegender Spielfilm, scharfzüngig, von sarkastischem Witz und erfrischender Situationskomik durchzogen.
Besetzung: Sadaf Asgari, Ardeshir Kazemi, Gohar Kheirandish, Farzin Mohades, Faezeh Rad, Bahram Ark, Arghavan Shabani, Servin Zabetian, Hossein Soleymani, Majid Salehi
Regie: Ali Asgari, Alireza Khatami


Visions
In diesem Film spielt Diane Kruger die Rolle der Estelle, einer Pilotin, die ein luxuriöses Leben an der Côte d’Azur führt. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als sie am Flughafen von Nizza zufällig ihrer ehemaligen Geliebten Ana begegnet, mit der sie vor 20 Jahren eine Affäre hatte. Die erneute Begegnung entfacht das Feuer der Leidenschaft, und Estelle findet sich in einem komplizierten Liebesdreieck zwischen ihrem Ehemann und ihrer Geliebten wieder.
Ich habe das Gefühl, dass dieser Film sich sehr an das Buch gehalten hat. Cinematisch gesehen, gibt der Film mir das Gefühl, das Hörbuch auf der Leinwand gesehen zu haben.
Besetzung: Diane Kruger, Mathieu Kassovitz, Marta Nieto, Amira Casar, Grégory Fitoussi, Elodie Navarre
Regie: Yann Gozlan


Wicked Little Letters
“Wicked Little Letters” ist eine britische Filmkomödie. Der Film spielt in dem kleinen Badeort Littlehampton in den 1920er Jahren und erzählt die Geschichte von Edith Swan. Sie ist ein aufrechtes Mitglied ihrer Gemeinde. Eine gottesfürchtige Frau, die noch bei Ihren Eltern und nach deren Vorstellung lebt. Ihr Leben gleicht einem grauen Novembertag. Bis neben ihr, ihre Nachbarin Rose Gooding (Jessie Buckley) einzieht, die erst kürzlich aus Irland gekommen ist, trinkt gerne, flucht und ist sexuell freizügig, aber auch eine liebevolle Mutter, welche obszöne Briefe von Unbekannt erhält.
Olivia Colman und Jessie Buckley trägt wesentlich zum Erfolg der Geschichte bei. Besonders Olivia Coleman als Edith Swan stiehlt mit ihrem Schauspiel die Show. Der Film überrascht mit Tiefgang, Humor und einem unterschwelligen Feminismus. Sehr humorvoll und spritzig.
Besetzung: Olivia Colman, Jessie Buckley, Hugh Skinner, Timothy Spall, Anjana Vasan
Regie: Thea Sharrock


The Zone Of Interest
Im Mittelpunkt der Handlung steht die Familie von Rudolf Höss, von Mai 1940 bis November 1943 Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz. Die junge Familie bewohnt dort ein zweistöckiges Haus mit grossem Garten inklusive Gewächshaus, Pavillon und einem gemauerten Planschbecken für die Kinder. Die Idylle täuscht, denn ihre Wohnlage befindet sich direkt neben dem Konzentrationslager. Tagsüber wie nachts sind Schüsse, Hundegebell, das Geschrei von Wachpersonal oder das Wehklagen von Gefangenen zu hören. Über die Lagermauer hinweg sieht man gelegentlich Flammen und dicken Rauch aus dem Schornstein des Krematoriums quellen.
Trotz seiner gewollt zähflüssigen und langatmigen Erzählung, liefert Jonathan Glazer einen subtilen Film, in dem Szenen und Ereignisse immer nur angedeutet, aber nie gezeigt werden. Er ist grausam in seiner Darstellung einer vordergründig heilen Welt, die aber tatsächlich zutiefst brutal und unmenschlich ist.
Besetzung: Sandra Hüller, Christian Friedel, Ralph Herforth, Max Beck, Marie Rosa Tietjen
Regie: Jonathan Glazer
